{"id":549,"date":"2011-07-27T18:10:53","date_gmt":"2011-07-27T18:10:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gutenberg-gym.de\/hp\/?page_id=549"},"modified":"2012-08-20T09:17:22","modified_gmt":"2012-08-20T09:17:22","slug":"die-sieben-geheimnisse-der-gutenbergschule","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/gutenberg-alt.wiesan.de\/hp\/dieschule\/die-sieben-geheimnisse-der-gutenbergschule\/","title":{"rendered":"Die sieben Geheimnisse der Gutenbergschule"},"content":{"rendered":"<p>1. Warum kann man die beiden gro\u00dfen Schuluhren gar nicht richtig sehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die meisten kennen sie gar nicht \u2013 die beiden hoch oben h\u00e4ngenden Schuluhren am S\u00fcdeingang und auf der anderen Geb\u00e4udeseite. Im Jahr 1903 die eine fertiggestellt, die andere zwei Jahre sp\u00e4ter, weil der s\u00fcdliche Geb\u00e4udeteil erst dann rangebaut wurde. Steht man vor der Schule, muss man seinen Nacken schon ganz sch\u00f6n strecken, um die Uhren zu sehen, weil man nie einen freien Blick von weiter her auf sie hat. Eine Fehlkonstruktion? Nein, vielmehr fielen die beiden Schuluhren f\u00fcher ins Auge, weil die Haupteing\u00e4nge der Schule direkt auf sie zuf\u00fchrten. Wo heute das Sportfeld und dichtes Geb\u00fcsch ist, war fr\u00fcher eine gro\u00dfe Steintreppe von der Biegung des Gutenbergplatzes hoch zur Schule und auch der Eingang auf der anderen Seite f\u00fchrte von dem Windrosenmosaik direkt auf die Eingangst\u00fcren zu, eine Autoeinfahrt gab es nicht. Damals wussten alle Sch\u00fcler, welche Stunde geschlagen hatte \u2013 man konnte es von weither sehen.<\/p>\n<p>2. Warum gibt es auf den S\u00e4ulen in den Fluren unterschiedliche Kapitelle?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gutenbergschule ist die Schule der S\u00e4ulen. Da sie rund sind, kann man sich an ihnen wenigstens nicht schlimm verletzten. Und die knubbeligen Kapitelle sind sehr hoch angebracht. Wer genau hinschaut, wird im Schulgeb\u00e4ude erkennen, dass es zwei Typen von S\u00e4ulenabschluss gibt: Die einen sehen so aus wie f\u00fcr Wappenschilder gedacht, die anderen wie ein Kranz von herumgelegten Rohren, weitaus weniger aufw\u00e4ndig. Beide S\u00e4ulentypen mischen sich nicht, sondern kommen in n\u00f6rdlichen Teil und im s\u00fcdlichen auf allen Etagen vor. Die S\u00e4ulenkapitelle sind sichtbareste Zeichen daf\u00fcr, dass unsere Schule einmal geteilt war: erst in eine M\u00e4dchen- und Jungenschule, dann in ein humanistisches und ein Realgymnasium. Die Grenze zwischen beiden wird heute noch an den G\u00e4ngen erkennbar, die ganz in der Mitte der Flure keine Gew\u00f6lbedecken mehr haben, sondern nur noch runde. Da stand fr\u00fcher eine Mauer in der Mitte, die Jungs und M\u00e4dchen trennte \u2013 also so unterschiedliche Welten, dass auch die Innendekoration verschieden war.<\/p>\n<p>3. Warum hatte die Schule einen Weinkeller?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, nicht f\u00fcr die gro\u00dfen Pausen oder die Feste der Lehrer. Auch handelt es sich nicht um einen Ort der Tr\u00e4nen f\u00fcr unfolgsame Sch\u00fcler. Mitten unter der Aula, in ihrer Mitte, liegt eine Gew\u00f6lbekeller, der von vornherein als Weinkeller geplant war. Wer denkt, dass der Keller dem Schuldirektor zustand, den muss man auch entt\u00e4uschen. Vielmehr wurden um 1900 fast alle gro\u00dfen \u00f6ffentlichen Geb\u00e4ude mit tiefen Fundamenten mit solchen Weinkellern ausgestattet. Selbst die Marktkirche hat einen, und das nicht f\u00fcr den Messwein. Es waren die knappen Lagerkapazit\u00e4ten der st\u00e4dtischen Weing\u00fcter. Und eine st\u00e4dtische Schule gab da ein gutes Au\u00dfendepot ab. Leider haben wir keine eingemauerten alten Weinbest\u00e4nde mehr im Keller gefunden \u2013 die werden irgendwann einmal gepl\u00fcndert worden sein, vielleicht sogar von Sch\u00fclern.<\/p>\n<p>4. Warum gibt es in den Obergeschossr\u00e4umen (z.B. 417) zugemauerte T\u00fcren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manche T\u00fcren f\u00fchren ins Leere, in einigen Zimmern im 4. Stock gibt es verplombte Wasserrohre. Irgendwie hat man das Gef\u00fchl des Provisorischen, wenn man die engen Treppen hochkeucht. Als die Schule 1933 umgebaut wurde, hat man diese R\u00e4ume erst hinzugenommen. Vorher waren sie n\u00e4mlich gro\u00dfz\u00fcgige 5-Zimmer-Wohnungen mit Badewanne, Abstellkammern und einem 40 qm gro\u00dfen Wohnzimmer. Dort oben lebte aber weder der Schulleiter noch andere Lehrer oder Referendare wie bei preu\u00dfischen Schulen sonst \u00fcblich \u2013 nein, die mehr als 130 qm gro\u00dfen Wohnungen waren dem Hausmeister (Nordbau) und dem Heizer (S\u00fcden) zugedacht. Eine normale Etagenwohnung am Ring umfasste 250 bis 280 qm, sodass diese Dachverschl\u00e4ge sich geradezu mikrig ausnehmen. Mit dem Heizer, der die Kessel mit Koks f\u00fcllen musste war das st\u00e4ndige Pendeln in den Keller sicherlich auch kein Zuckerschlecken. Einen Fahrstuhl sucht man in der ganzen Gutenbergschule vergebens.<\/p>\n<p>5. Warum gibt es im Altbau so wenige Toiletten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein heikles Thema. Dabei sind es doch gar nicht zu wenig, ist beh\u00f6rdlich vorgeschrieben, alles korrekt. Als Genzmer diese Schule entwarf achtete er sehr auf Hygiene und Sauberkeit, sodass in jeder Etage Toiletten vorgesehen waren und zwar rechts und links der Treppenh\u00e4user um die Aula. Die beiden kleinen Unterrichtsr\u00e4ume zum Schulhof hin waren auf den beiden oberen Stockwerken Toiletten. Auch gab es in der heutigen Hausmeisterwohnung Aborte und auch im ersten Stock (heute Lehrertoiletten). Auch die R\u00e4ume gegen\u00fcber dem Kunstsaal waren f\u00fcr das Austreten gedacht. Warum so viele Klos? Jede Klasse fasste damals nicht 30, sondern ungef\u00e4hr 50 Sch\u00fcler, weshalb ein viel gr\u00f6\u00dfere Gesamtanzahl n\u00f6tig war.<\/p>\n<p>6. Warum ist die Akustik in 310 so schlecht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Raum war einst ein gro\u00dfer Turnsaal und von seiner Bestimmung nicht f\u00fcr den Unterricht gedacht. Auch wenn es heute manchmal so trampelt, dass man an diese Zeiten erinnert wird, k\u00e4me doch niemand ernsthaft auf die Idee, dort Leibes\u00fcbungen abzuhalten. Schon 1934 wurde der Raum als Klassensaal genutzt, eine Wand konnte man aus statischen Gr\u00fcnden nicht einziehen. Die ersten Beschwerden lassen nicht auf sich warten. Ein Oberstudienrat beschwert sich, dass ein Unterrichten angesichts seiner \u201ezivilen Stimme&#8220; kaum m\u00f6glich sei. Im Jahr 1957 gingen Experten der Firma \u201eHall Ex&#8220; ans Werk, die mit einer schallschluckenden Decke das Echo austreiben sollten. Einige Tausend DM hat der Spass gekostet \u2013 allein um festzustellen, dass es rein gar nichts gebracht hat und auch die beste D\u00e4mmung nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen kann, dass es sich nicht um ein Klassenzimmer, sondern einen Turnsaal handelt. Seitdem hat die Gutenbergschule eine Verbesserung aufgegeben.<\/p>\n<p>7. Was befindet sich eigentlich unter dem gro\u00dfen Dach der Schule?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die alten Abiarbeiten, Produkte des Kunstunterrichts vergangener Jahrzehnte, alte Schulb\u00e4nke, alte Klassenr\u00e4ume sogar, hunderte Taubenleichen? Eine Ortsbegehnung bringt die L\u00f6sung: nichts, rein gar keine Funktion kommt dem volumin\u00f6sen Dach der Gutenbergschule zu, sie ist \u2013 wie auch beim Riesendach der Lutherkirche \u2013 allein dem architektonischen Konzept geschuldet, das verschwenderisch aufw\u00e4ndig ist. So verschw\u00e4nderisch, dass das Dach f\u00fcr nichts anderes nutzbar ist. Vielleicht kann ja die n\u00e4chste Erweiterung der Schule nicht in einem Blechbarrakendorf neben dem Erweiterungsbau erfolgen, sondern in Form von Cabrio-Klassen unter dem Dach mit Freisitzen, viel Glas und Sonne? Keine gute Idee? Findet der Denkmalschutz sicher auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Warum kann man die beiden gro\u00dfen Schuluhren gar nicht richtig sehen? Die meisten kennen sie gar nicht \u2013 die beiden hoch oben h\u00e4ngenden Schuluhren am S\u00fcdeingang und auf der anderen Geb\u00e4udeseite. 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