{"id":10699,"date":"2016-09-15T11:55:00","date_gmt":"2016-09-15T09:55:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gutenberg-gym.de\/?p=10699"},"modified":"2016-09-19T19:17:07","modified_gmt":"2016-09-19T17:17:07","slug":"bye-bye-whatsapp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gutenberg-alt.wiesan.de\/hp\/2016\/09\/bye-bye-whatsapp\/","title":{"rendered":"Bye bye WhatsApp"},"content":{"rendered":"<p>WhatsApp steht seit seinem Erscheinen aus Datenschutzgr\u00fcnden in der Kritik, insbesondere weil die App ungefragt s\u00e4mtliche Handykontakte auf Server in den USA herunterl\u00e4dt und dort permanent synchronisiert. Verkauft wird das den Nutzern als Service, um bequem sehen zu k\u00f6nnen, welche Kontakte ebenfalls WhatsApp nutzen, seri\u00f6se Anbieter holen dazu allerdings die Zustimmung der Nutzer ein und \u00fcbertragen die Kontaktdaten nur tempor\u00e4r, gehasht (d.h. mit einem geheimen Schl\u00fcssel unkenntlich gemacht) und verschl\u00fcsselt. Diese Anforderungen erf\u00fcllen z.B. die alternativen Messenger Threema, Signal und Wire (siehe Seitenende).<\/p>\n<p>Nachdem WhatsApp dem \u00f6ffentlichen Druck ab Ende 2014 nachgab und eine Ende-zu-Ende-Verschl\u00fcsselung einf\u00fchrte (anfangs nur zwischen Androidger\u00e4ten, seit April 2016 auf allen Ger\u00e4ten. Metadaten &#8211; wer kommuniziert mit wem &#8211; laufen weiterhin unverschl\u00fcsselt \u00fcber die Server), beruhigte sich die Kritik ein wenig, aber nach der einschneidenden \u00c4nderung der AGB im August 2016 ist WhatsApp f\u00fcr mich endg\u00fcltig nicht mehr tragbar.<\/p>\n<p><strong>Der Knackpunkt:\u00a0 Mit der unvermeidlichen Annahme der AGB muss man erkl\u00e4ren, dass man autorisiert ist, seine Kontakte regelm\u00e4\u00dfig an WhatsApp (und damit auch Facebook) weiterzugeben.<\/strong> <strong>Das ist nach deutschem Datenschutzrecht unm\u00f6glich<\/strong>, es sei denn, man holt die schriftliche Zustimmung aller Kontakte ein. Legal kann WhatsApp in Deutschland nach diesen \u00c4nderungen definitiv nicht mehr benutzt werden. Wer den &#8222;Freundefinder&#8220; von Facebook genutzt hat, hat damit \u00fcbrigens auch s\u00e4mtliche Daten seiner Kontakte, insbesondere Name, Telefonnummer und E-Mail-Adresse, ohne deren Zustimmung an Facebook ausgeliefert&#8230;<\/p>\n<p><strong>Zum Zweiten werden nun &#8222;WhatsApp-Account-Informationen&#8220; an Facebook weitergegeben<\/strong> &#8211; welche das genau sind, wird nicht offengelegt, die Handynummer auf jeden Fall, aber WhatsApp sichert sich in seinen AGB auch umfangreiche Rechte an Profilbildern und Statusmeldungen. Besonders unmittelbare Konsequenzen hat diese Neuerung f\u00fcr User, die ihre Handynummer bei Facebook angegeben haben und damit 1-1 identifizierbar sind. Wer allerdings die Facebook-App oder den Facebook Messenger auf Mobilger\u00e4ten benutzt, d\u00fcrfte auch ohne das Hinterlegen der Handynummer bei Facebook l\u00e4ngst zugeordnet sein, denn die umfangreichen Berechtigungen dieser Apps (Ger\u00e4te-ID, Identit\u00e4t, Kontakte, SMS&#8230;) lassen vermuten, dass diese Informationen l\u00e4ngst ausgelesen sind.<br \/>\nAuch wenn man die geschickt versteckte Widerspruchsoption entdeckt (bei der Annahme der neuen AGB im Kleingedruckten ganz unten oder danach 30 Tage lang unter &#8222;Einstellungen &#8211; Account&#8220;), bewirkt das nur, dass diese Daten aktuell (noch) nicht f\u00fcr Werbezwecke genutzt werden &#8211; \u00fcbertragen werden sie trotzdem an Facebook, in dessen Verwaltungsrat WhatsApp-Gr\u00fcnder Jan Koum seit dem Verkauf von WhatsApp an Facebook (Kaufpreis 19 Mrd. $) im Februar 2014 sitzt. Nach der \u00dcbernahme versicherte Koum in zahlreichen Interviews treuherzig, dass WhatsApp selbstverst\u00e4ndlich autark bleiben w\u00fcrde und dass keine Nutzerdaten mit Facebook geteilt w\u00fcrden. Aber was schert ihn sein Geschw\u00e4tz von gestern&#8230;<\/p>\n<p><strong>Zum Dritten<\/strong> offenbaren die neuen AGB, mehr schlecht als recht verklausuliert, dass nun <strong>Werbung<\/strong> auf WhatsApp eingef\u00fchrt wird: &#8222;Wir m\u00f6chten M\u00f6glichkeiten erkunden, wie du und Firmen \u00fcber WhatsApp miteinander kommunizieren k\u00f6nnen [&#8230;] Nachrichten, die du erh\u00e4ltst, die Marketing enthalten, k\u00f6nnten Angebote zu etwas enthalten, das dich interessiert.&#8220;<\/p>\n<p>Von daher kann man nur jedem w\u00e4rmstens empfehlen, diesem Datenkraken, der sich zynischer Weise in seinen AGB f\u00fcr seine strengen Datenschutzprinzipien (&#8222;Respekt f\u00fcr deine Privatsph\u00e4re ist in unseren Genen programmiert&#8220;) feiert, ebenfalls die rote Karte zu zeigen und auf einen wirklich privaten Messenger zu wechseln.<\/p>\n<p>Nebenbei wurde mit den neuen AGB die bisherige Altersgrenze dem amerikanischen Rechtsstandard angepasst und von 16 auf 13 Jahre heruntergesetzt, verbunden mit dem Hinweis, dass bei unter 13j\u00e4hrigen explizit die Erziehungsberechtigten f\u00fcr die Nutzung des Accounts verantwortlich sind: &#8222;Wenn du nicht alt genug bist, um in deinem Land berechtigt zu sein, unseren Bedingungen zuzustimmen, muss dein Elternteil oder Erziehungsberechtigter in deinem Namen unseren Bedingungen zustimmen.&#8220; Letzteres freut zumindest die Schulen, die nun mit dem Hinweis auf diesen Passus diejenigen Eltern von unter 13j\u00e4hrigen in die Pflicht nehmen k\u00f6nnen, die das Thema Medienerziehung liebend gerne an die Schulen outsourcen m\u00f6chten.<\/p>\n<p><strong>Alternativen:<\/strong> Wer eine sichere Alternative zu WhatsApp sucht, sollte sich <a href=\"https:\/\/threema.ch\/de\" target=\"_blank\">Threema<\/a> ansehen. Der Hersteller sitzt in der Schweiz, die App l\u00e4sst sich auch nur mit der Threema-ID ohne Preisgabe pers\u00f6nlicher Daten und des Adressbuchs nutzen. Sie bietet inzwischen denselben Funktionsumfang wie WhatsApp und kostet einmalig 2,99 \u20ac (Android und iOS) bzw. 2,99 $ (Windows Phone), die wirklich gut angelegt sind. Der Anbieter vermeldet aktuell deutlich gestiegene Nutzerzahlen und hat auf die neuen WhatsApp-AGB mit einem 50%-Rabatt reagiert, der allerdings am 8.9.16 endet.<br \/>\nVom Funktionsumfang her nachgezogen hat auch <a href=\"http:\/\/www.simsme.de\/\" target=\"_blank\">SIMSME<\/a>, das kostenlos von der Deutschen Post f\u00fcr iOS, Android und Windows Phone zur Verf\u00fcgung gestellt wird.<br \/>\nAuch die kostenlosen Open Source Messenger &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Signal_(Software)\">Signal<\/a>&#8220; (Favorit von Whistleblower Edward Snowden) von Open Whisper Systems und &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wire_(Messenger)\" target=\"_blank\">Wire<\/a>&#8220;\u00a0 sind echte Empfehlungen.<br \/>\nAlle genannten Messenger setzen bei Android-Handys allerdings mindestens Android 4.x voraus, was auch Sinn macht, da \u00e4ltere Androidversionen wegen massiver Sicherheitsl\u00fccken nicht mehr zu empfehlen sind. Da WhatsApp Ende 2016 \u00e4ltere Android- und WindowsPhone-Betriebssysteme sowie Blackberry Handys nicht mehr unterst\u00fctzen wird, ist aber auch das kein Argument, an WhatsApp festzuhalten.<br \/>\n&#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Telegram_Messenger\" target=\"_blank\">Telegram<\/a>&#8220; ist nicht zu empfehlen, da es die Kontakte ungefragt und unverschl\u00fcsselt \u00fcbertr\u00e4gt und Ende-zu-Ende-Verschl\u00fcsselung nur in &#8222;geheimen&#8220; Chats bietet.<br \/>\nEine \u00dcbersicht mobiler Messenger und ihrer Funktionen findet sich unter <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_von_mobilen_Instant-Messengern\" target=\"_blank\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_von_mobilen_Instant-Messengern<\/a><br \/>\nIn jedem Fall muss man dann allerdings auch seine Kontakte zum Umstieg bewegen und daf\u00fcr hartn\u00e4ckige \u00dcberzeugungsarbeit gegen die blau\u00e4ugige &#8222;ich hab doch nichts zu verbergen&#8220;-Fraktion leisten&#8230;<\/p>\n<p><strong>Ich habe allen meinen Kontakten mitgeteilt, dass ich WhatsApp nicht mehr nutze und, oh Wunder, die Anzahl der Kontakte auf Threema, Signal und Wire hat bereits erheblich zugenommen! <\/strong><\/p>\n<blockquote><p><strong>Es gibt ein Leben nach WhatsApp! \ud83d\ude09<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Wichtig:<\/strong><\/span> WhatsApp unbedingt in der App unter &#8222;Einstellungen &#8211; Account l\u00f6schen&#8220; entfernen, sonst bleiben Backups auf WhatsApp-Servern und k\u00f6nnen evtl. wiederhergestellt werden, wenn man irgendwann seine Handynummer wechselt und jemand, der die alte Nummer bekommt, WhatsApp installiert!<\/p>\n<p>G\u00fcnter Steppich<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.medien-sicher.de\/2015\/04\/wichtige-fakten-zu-whatsapp\/\">=&gt; weitere Informationen: Was man \u00fcber WhatsApp wissen sollte<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WhatsApp steht seit seinem Erscheinen aus Datenschutzgr\u00fcnden in der Kritik, insbesondere weil die App ungefragt s\u00e4mtliche Handykontakte auf Server in den USA herunterl\u00e4dt und dort permanent synchronisiert. 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