{"id":9119,"date":"2015-06-29T16:18:44","date_gmt":"2015-06-29T14:18:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gutenberg-gym.de\/?p=9119"},"modified":"2015-09-03T16:54:08","modified_gmt":"2015-09-03T14:54:08","slug":"professor-dr-frank-nonnenmacher-zu-gast-in-der-gutenbergschule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gutenberg-alt.wiesan.de\/hp\/2015\/06\/professor-dr-frank-nonnenmacher-zu-gast-in-der-gutenbergschule\/","title":{"rendered":"Professor Dr. Frank Nonnenmacher zu Gast in der Gutenbergschule"},"content":{"rendered":"<p>Am 21.5.2015 hatte die GBS die gro\u00dfe Freude, Herrn Dr. Frank Nonnenmacher, Professor f\u00fcr Politische Bildung in Frankfurt, begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen.<br \/>\nHerr Nonnenmacher war einer Einladung der Schule gefolgt, aus seinem Buch \u201eDu hattest es besser als ich \u2013 Zwei Br\u00fcder im 20. Jahrhundert\u201c zu lesen.<br \/>\nAn der Veranstaltung nahmen die gesamte Q2 sowie Kollegen und Eltern teil.<br \/>\nDer Autor gab zu Beginn Einblicke in seinen Lebenslauf und erkl\u00e4rte sein Motiv, sich mehr als 40 Jahre mit zwei au\u00dferordentlich spannenden Biografien besch\u00e4ftigt zu haben, n\u00e4mlich der seines Vaters und der seines Onkels. Sein Erkenntnisinteresse definierte sich dabei einerseits durch die Neugierde als Politikwissenschaftler, andererseits durch sein Interesse an den v\u00f6llig unterschiedlichen Lebenswegen des Vaters sowie des Onkels.<br \/>\nNonnenmacher l\u00e4sst die Geschichte mit der Geburt von Ernst Nonnenmacher (dem Onkel) im Jahre 1908 beginnen, 1914 wird Gustav (der Vater) geboren \u2013 beide Schwangerschaften sind ungeplant und bringen die Mutter Margarethe in gro\u00dfe Bedr\u00e4ngnis, so dass der Zweitgeborene schlie\u00dflich ins Waisenhaus gegeben wird. Die beiden Br\u00fcder wachsen folglich nicht gemeinsam auf, wissen lange sogar nichts von der Existenz des anderen, ihre Lebenswege verlaufen sehr unterschiedlich \u2013 und es ist gerade diese Unterschiedlichkeit, die den Leser bzw. den Zuh\u00f6rer fasziniert.<br \/>\nDas Publikum erf\u00e4hrt, dass Ernst als \u201eAsozialer und Wehrunw\u00fcrdiger\u201c mit dem von der GeStaPo 1941 nach einer Gef\u00e4ngnisstrafe f\u00fcr weitere vier Jahre in die KZs Flossenb\u00fcrg und Sachsenhausen gebracht wird. Dort ist er mit dem \u201eschwarzen Winkel\u201c, einem Stoffdreieck, das an der gestreiften H\u00e4ftlingskleidung angebracht wurde, zur Vernichtung durch Arbeit\u201c in einem Steinbruch vorgesehen. Er \u00fcberlebt, jedoch wird ihm nach dem Krieg die Anerkennung als Opfer des Faschismus verweigert, was ihn tief entt\u00e4uscht. Nach geltender Rechtsprechung sa\u00df er bis heute \u201ezu Recht\u201c im KZ. Er beginnt als Asphaltarbeiter in Frankfurt und heiratet 1957 eine Russin. Nach deren Tod wendet sich Ernst allm\u00e4hlich der Kulturszene zu, engagiert sich besonders im \u201eUnterhaus\u201c in Mainz, wo er auch Konstantin Wecker kennenlernt, der schlie\u00dflich das Lied \u201eSturmbannf\u00fchrer Meier\u201c f\u00fcr Ernst Nonnenmacher und eine Widmung f\u00fcr das Buch von Frank Nonnenmacher schreibt.<br \/>\nGanz anders verl\u00e4uft das Leben des Bruders: Gustav soll als Jahrgangsbestem ein Studium mit Stiftungsgeldern erm\u00f6glicht werden, jedoch vernichtet die Inflation das Stiftungskapital, so dass er eine Lehre als Holzbildhauer beginnt. Erst mit 18 Jahren erf\u00e4hrt er \u2013 der im Waisenhaus gro\u00df wurde \u2013 von der Existenz seiner Mutter und seines Bruders, der Kontakt bleibt fl\u00fcchtig. Im Krieg muss Gustav JU52-Pilot werden, er \u00fcberlebt mehrere Abst\u00fcrze, nach Kriegsende will er nie mehr fliegen. Er gr\u00fcndet eine Familie und arbeitet als Bildhauer und freischaffender K\u00fcnstler in Worms, wobei seine pazifistische Haltung seine Werke nachhaltig pr\u00e4gt, beispielsweise durch antimilitaristische Mahnmale.<br \/>\nFrank Nonnenmacher macht deutlich, dass das vorliegende Buch in dieser Form nur entstehen konnte, da zuerst sein Vater Gustav und schlie\u00dflich auch sein Onkel Ernst bereit waren, sich den Fragen ihres Sohns bzw. Neffen zu stellen. Die Antworten auf die generationentypische Frage: \u201eWas habt ihr damals gemacht?\u201c waren es, die zusammen mit den Fakten der Zeitgeschichte letztendlich dieses Buch erm\u00f6glichten.<br \/>\nDas Buch umfasst 345 Seiten, was bei einer Vortragszeit von 90 Minuten, gleichzeitig aber einer unglaublich dichten Darstellung der Geschehnisse eine deutliche Auswahl verlangt \u2013 dies ist Herrn Dr. Nonnenmacher in hervorragender Art und Weise gelungen.<br \/>\nDie Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler verfolgten konzentriert und gebannt die Lesung. W\u00e4hrend der sich anschlie\u00dfenden Frage- und Diskussionsrunde zeigte sich deutlich, dass sie nicht nur die Problematik und das Geschehen aufgrund der ausgew\u00e4hlten Textstellen und der \u00fcberbr\u00fcckenden Erz\u00e4hlungen verstanden hatten, sondern dass sie auch gerne die Gelegenheit nutzten, den Autor selbst zu unterschiedlichsten Aspekten zu befragen.<br \/>\nEinen kleinen \u00dcberblick sollen die folgenden Sch\u00fclerfragen bieten:<br \/>\n&#8211; Was bedeutet der Titel?<br \/>\n&#8211; Welcher der beiden Br\u00fcder hatte es nach Meinung des Autors besser \u2013 und warum?<br \/>\n&#8211; Was bedeutet die Skulptur auf dem Cover?<br \/>\n&#8211; Gibt es trotz der engen verwandtschaftlichen Beziehung eine Distanz des Autors zu den Protagonisten?<br \/>\n&#8211; Warum wurden bestimmte Teile mit dem Hinweis, sie seien zu \u201ahart\u2018 oder sie gingen dem Autor zu nah, nicht vorgelesen?<br \/>\n&#8211; Wie sieht der Autor die \u201aSchuldfrage\u2018 in Bezug auf die heutige Generation?<br \/>\n&#8211; H\u00e4lt er es f\u00fcr legitim &#8211; vor dem Hintergrund des Holocausts &#8211; die Politik Israels zu kritisieren?<br \/>\n&#8211; Ist er \u201astolz\u2018 Deutscher zu sein?<br \/>\n&#8211; Glaubt der Autor, die heutige Jugend sei zu wenig sensibel f\u00fcr die Gefahren eines neuen Nationalismus?<br \/>\n&#8211; Welches Ziel verfolgt er mit solchen Veranstaltungen wie der in der GBS?<br \/>\n&#8211; Wie hat sich die Recherche gestaltet?<br \/>\n&#8211; Wie war die Haltung der betroffenen Frauen \u2013 insbesondere der Mutter- zum Geschehen?<br \/>\n&#8211; Wie ging das Leben Onkel Ernsts nach dem Krieg weiter?<br \/>\n&#8211; Deutscher, Europ\u00e4er, Weltb\u00fcrger \u2013 worin liegen die Unterschiede jeweiliger Positionierungen?<br \/>\nDie Antworten Herrn Nonnenmachers l\u00f6sten lebhafte Debatten und weitere Nachfragen aus. Als die Veranstaltung um 13.15Uhr endete, \u00e4u\u00dferten einige Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, dass sie es begr\u00fc\u00dft h\u00e4tten, wenn es f\u00fcr Interessierte m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, mit Herrn Dr. Nonnenmacher in kleinem Kreis weiter zu diskutieren &#8211; der Hinweis zeigt, dass die Veranstaltung auf gro\u00dfes Interesse gesto\u00dfen ist und dass vermutlich in den folgenden Unterrichtsstunden von der M\u00f6glichkeit Gebrauch gemacht wurde, das Geh\u00f6rte \u2013dem Fach entsprechend &#8211; in den Unterricht zu integrieren und zu vertiefen.<br \/>\nDie Buchhandlung Vaternahm hatte uns einige Buchexemplare zur Verf\u00fcgung gestellt, die alle einen Besitzer fanden und signiert wurden.<br \/>\nUnser gro\u00dfer Dank gilt Herrn Dr. Nonnenmacher, der zu dieser Lesung aus Frankfurt zu uns kam \u2013 und dies ohne ein Honorar zu nehmen!<br \/>\nDanke auch allen, die im Hintergrund zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben!<br \/>\nZum Schluss freut es mich besonders, Ihnen mitteilen zu d\u00fcrfen, dass sich die Schulleitung der GBS dazu entschlossen hat, als Buchgeschenk f\u00fcr die Abiturienten, die mit 1.0 in diesem Jahr ihre Pr\u00fcfungen abgeschlossen haben, das Buch von Herrn Dr. Nonnenmacher auszuw\u00e4hlen.<br \/>\nEs wurde ihnen am Sonntag, d. 21.6.2015 im Rahmen der Akademischen Feier in der Lutherkirche Wiesbaden verliehen \u2013 herzlichen Gl\u00fcckwunsch und viel Spa\u00df beim Lesen!<\/p>\n<p>Gudrun Zitzke-Kl\u00f6ckner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 21.5.2015 hatte die GBS die gro\u00dfe Freude, Herrn Dr. Frank Nonnenmacher, Professor f\u00fcr Politische Bildung in Frankfurt, begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen. 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