Am 27.01.2020, dem Gedenktag für die Opfer des Holocausts, nahm der Geschichtskurs Q1 g7 an einem Projekt der Arolsen Archives teil.
Anlässlich des 75jährigen Jahrestages der Befreiung von Auschwitz waren Schüler und Schülerinnen aus ganz Hessen zur Teilnahme an einem Crowdsourcing-Projekt aufgerufen worden. Ziel ist es, bisher noch nicht im Online-Archiv erfasste Daten von Opfern des Nationalsozialismus zugänglich zu machen. Viele tausende Seiten von Transportlisten sind bislang nicht digitalisiert worden. Jedes Jahr erreichen das Archiv circa 20.000 Anfragen. Darunter sind auch solche von Angehörige, die etwas über ihre Familienmitglieder in Erfahrung bringen möchten. Diese Informationen sind auch so viele Jahre nach dem Krieg für die Familien der Opfer enorm wichtig und dienen dazu die Erinnerung wachzuhalten.
Die Arolsen Archives zählen zum UNESCO Weltdokumentenerbe und wurden 1948 als International Tracing Service (ITS) gegründet mit dem Ziel das Schicksal von Vermissten und Verschleppten zu klären. Dazu wurden im Laufe der Zeit über 30 Millionen Akten ausgewertet. Bis heute wurden bereits 85 – 90 % der Bestände gescannt.
Zur Digitalisierung dieser Bestände einen Beitrag geleistet zu haben, war für die Schüler/innen des Geschichtsgrundkurses ein wichtiges Anliegen und eine bereichernde Erfahrung. Vier Schulstunden lang arbeiteten sie sich durch zum Teil handgeschriebene Transportlisten, Meldekarten, mussten Abkürzungen entschlüsseln und erfuhren, wie auch Menschen aus ihrer unmittelbaren Nähe, aus Wiesbaden, zu Opfern des NS-Regimes wurden.
„Besonders schockierend waren für mich die Listen aus Wiesbaden. Auf einer Liste war eine mir sehr bekannte Adresse darauf, da ein guter Freund von mir dort wohnt. In diesem Moment war mir bewusst, wie sehr wir alle eigentlich mit dem Thema konfrontiert sind und auch dort, wo wir wohnen womöglich einmal jüdische Familien gelebt haben könnten.“ Sophie
„Durch die Wiesbadener Dokumente stellt man einen Bezug zu sich und den geschichtlichen Ereignissen her. Dadurch kann man sich das Ganze viel besser vorstellen.“ Leony
„Diese vielen Namen individueller Menschen lassen einen realisieren, wie viele Leben zerstört wurden. Selbst wenn ein ganzer Kurs den ganzen Tag damit verbringt hunderte Listen und Dokumente durchzuarbeiten, haben wir nicht mal annähernd alle [heute zur Verfügung gestellten] Dokumente und Listen gesehen.“
Weitere Informationen zur Arbeit des Archives und zum Projekt unter: https://arolsen-archives.org/
