Der Mistkäfer und die Milchstraße

Eine interessante Lesung mit Verena Reinhardt am 15.11.2019

Wusstest du, dass sich ein Mistkäfer beim Rollen seiner Dungkugel an der Milchstraße orientiert? Ich wusste es jedenfalls nicht, bis ich es von Verena Reinhardt beim diesjährigen bundesweiten Vorlesetag in der Aula der GBS hörte. Sie ist Biologin und Schriftstellerin, hat zu Insekten geforscht und muss es daher wissen. Diese ungewöhnliche Orientierung des Mistkäfers gab mit den Anstoß für ihr neuestes Buch, das sie in Auszügen den gespannt lauschenden Fünftklässlern der Gutenbergschule vorlas. Die Hauptfigur des Romans, der Mistkäfer Herr Schnettelbeck, begibt sich darin auf die Suche nach den verschwundenen Sternen. Er vermutet zunächst einen Diebstahl, ist damit aber auf dem Holzweg. Bis zur Lösung des Rätsels muss er noch etliche Abenteuer in der Unterstadt bestehen. Und die größte Hilfe hierbei leisten ihm einige Wirbeltiere, darunter auch eine Menschendame namens Tinea, die höchstens fingergroß ist.

Mit doppelbödigem Humor und leichter Feder greift Verena Reinhardt aktuelle Themen wie Diskriminierung, Umweltschutz und Populismus auf. Der Roman ist gespickt mit Anspielungen, die auch erwachsene Leser amüsieren.

Und die Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen haben jede Menge Fragen an die Autorin gestellt, z. B. ob sie ihre Bücher auswendig könne. Dies musste Frau Reinhardt verneinen. Sie hat aber auf ein intensives Korrekturlesen verwiesen, so ungefähr sechs Mal, bevor ein Buch vom Verlag zum Drucken  geschickt werde. Deswegen würden sich einige Passagen der Geschichte sehr gut einprägen.

„Wird es eine Verfilmung Ihrer Bücher geben?“, lautete eine Frage aus dem Publikum. Dies entscheide der Verlag, der alle Vermarktungsrechte an ihren drei Büchern für 10 Jahre erhalten habe. Bisher sei nichts dergleichen geplant, jedoch würde sie sich natürlich sehr darüber freuen.

Bis dahin bleibt zu lesen und vorlesen die erste Wahl, um sich an den phantasievollen Geschichten zu erfreuen!

Gelesen wurde aus folgendem Buch:

Verena Reinhardt „Herr Schnettelbeck und das Geheimnis der verschwundenen Sterne“

Beltz und Gelberg 2019

 

Weitere Bücher der Autorin:

„Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul“ 2016

„Die furchtlose Nelli, die tollkühne Trude und der geheimnisvolle Nachtflieger“ 2017

Diskussion um Anerkennung vergessener KZ-Opfer

Frank Nonnenmacher liest aus seinem Buch und diskutiert mit SchülerInnen der Q2 am Dienstag, den 19.2.2019 in der Aula der GBS

Professor Nonnenmacher stellte den SchülerInnen zunächst die Geschichte seines Vaters Gustav vor. Parallel dazu beschreibt er in seinem Buch „Du hattest es besser als ich“ die Biographie seines Onkels Ernst Nonnenmacher. Das Schicksal der beiden Brüder, die sich erst als Erwachsene sehr spät kennenlernten, nachdem sie als Kinder in unterschiedlichen sozialen Milieus aufwuchsen, ist zugleich die Geschichte zweier Zeitzeugen des Nationalsozialismus, die damals keine dezidiert politische Haltung zu der Entwicklung in Deutschland zeigten und trotzdem von ihr mitgerissen wurden. „Inwieweit sind die beiden Opfer, inwieweit sind sie Täter?“ Diese Frage solle jede(r) der SchülerInnen der Q2, selbst zu beantworten suchen, so Frank Nonnenmacher.

Der Autor und Sohn von Gustav Nonnenmacher deutet als Grund für die apolitische Haltung das Aufwachsen seines Vaters in einem pietistisch geprägten Heim an. Der Vater hätte als Bester seiner Grundschulklasse eigentlich ein Stipendium für das Gymnasium erhalten sollen, um anschließend ein Theologiestudium zu absolvieren, was bittererweise an der Inflation scheiterte. Seine weitgehend unreflektierte Haltung gegenüber dem NS-Regime, dem er während des Krieges als hoch dekoriertes Mitglied der Luftwaffe „diente“, wurde in dieser Zeit von ihm nur an wenigen Punkten aufgebrochen und hinterfragt.

Interessant war auch die Gegenüberstellung mit seinem Bruder Ernst, der als Jugendlicher und junger Erwachsener unter schwierigen finanziellen Verhältnissen aufwuchs, mehrfach straffällig wurde, meistens da er kleine Diebstähle beging, um zu überleben, und der schließlich für mehreres Jahre im KZ Flossenbürg, später im KZ Sachsenhausen interniert war, und dort unter härtesten Bedingungen Zwangsarbeit verrichtete. Seine latent abwehrende und anarchistische Haltung gegenüber jedwedem ‚Staat‘ – egal, ob Kaiserreich, Weimarer Republik oder Nationalsozialismus – erscheint nachvollziehbar. Anders als die politischen Häftlinge im KZ, die nach der Kapitulation Deutschlands 1945 relativ schnell rehabilitiert und entschädigt wurden, gehört er bis heute zu den „vergessenen Opfern des NS“, wie sie Frank Nonnenmacher in einer Petition an den dt. Bundestag nennt.

Mit den SchülerInnen diskutierte er über die Frage, warum eine Wiedergutmachung für diese Opfergruppe so lange Zeit kein Thema war. Selbst 70 Jahre nach der Gründung der BRD erkennt der Bundestagsausschuss für Kultur und Medien zwar an, dass zumindest eine symbolische Anerkennung dieser Opfer wichtig wäre, „da niemand zu Recht in einem KZ gesessen habe“, wie Elisabeth Motschmann von der CDU/CSU-Fraktion formuliert. Sie führt weiterhin in einem Interview aus:  „Das, was in den KZs gelaufen ist, ist so unvorstellbar, dass wir das nicht gutheißen können“, – gemeint ist „Vernichtung durch Arbeit“. Trotzdem kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, die Politiker würden die Petition zwar verbal befürworten, aber kaum Taten folgen lassen. „Eine Verschleppungstaktik“, mutmaßte Professor Nonnenmacher. Um Entschädigungszahlungen könne es dabei sicher nicht mehr gehen, denn von den Opfern lebe kaum noch jemand.

Die Diskussion endete mit mehreren Wortmeldungen der SchülerInnen zur Haltung einzelner politischer Fraktionen und verschiedener Meinungen zu Strategien der Umsetzung der Petition. Dabei gingen die Ansichten weit auseinander – ein gutes Beispiel für eine konstruktive Auseinandersetzung, die Politik, Ethik und Geschichte umfasst.

Petition abrufbar unter: www.change.org/vergessene-opfer oder http://chn.ge/2EAW95C

 

Gelesen wurde aus folgendem Werk:

Frank Nonnenmacher. Du hattest es besser als ich. Zwei Brüder im 20. Jahrhundert. Südost Verlags Service 2015

Peter Kapp liest in der GBS

In der Bücherei der Gutenbergschule haben sich die Klassen 8d und 9a zusammen mit Herrn Wachs und Herrn Natus versammelt und lauschen aufmerksam den Gedichten von Peter Kapp. Der Frankfurter Autor liest Lyrik aus seinem Buch „Nach dem Börsengang“ und verlangt den SchülerInnen, die am 11.6.2018 in der Bücherei der GBS versammelt sind,  damit einiges ab.

„Gedichte und Erzählungen, die man nicht gleich versteht, regen zum Nachdenken an“, so erläutert Peter Kapp, als er im anschließenden Gespräch auf die Fragen aus dem Publikum antwortet. Ob er auch selbst erfahrene Geschichten in seinen Texten wiedergebe, fragt eine Schülerin.  „Natürlich“, antwortet ihr Peter Kapp, „autobiographische Elemente spielen bei meinem Schreiben immer eine Rolle, sind aber nicht klar aus den Texten zu isolieren. In der Literatur kann ich aus meinem Leben heraustreten, Wahrnehmungen und Erlebnisse verarbeiten.“ Trotzdem besteht er darauf, dass die Figuren alle eigenständig seien, sie seien eindeutig Kunstfiguren.

Anschließend liest der Autor den SchülerInnen aus seinem Prosa-Band „Kummersdorf“ vor: eine Geschichte über eine LKW-Panne in der Wüste, die Ladung mit Eiswürfeln schmilzt  und der Held geht fantasierend zu Fuß weiter. Das ist gut verständlich, aber skurril und bietet – wie sich im anschließenden Gespräch zeigt – viel mehr Gesprächsstoff als zunächst erwartet.

Die SchülerInnen fragen ebenso nach den privaten Vorlieben und der Arbeitsweise von Peter Kapp. Er spricht über die vielen Verarbeitungsschritte, die er braucht, bis seine Bücher erscheinen können: vom meist morgendlichen Schreiben über das Bearbeiten der Texte, das Vorlesen vor Freunden und als vorletzter Schritt die Rückmeldung des Lektors, ehe der Text erneut von Autor bearbeitet und dann endlich gedruckt wird.

Zum Schluss trägt Peter Kapp vier Flüchtlingsgedichte vor. Dabei hat er aus seiner Arbeit als Leiter einer Wohngruppe mit jungen Migranten einzelne Jugendliche vor Augen, denen er das jeweilige Gedicht widmet. Beeindruckend!

 

Gelesen hat er aus folgenden Büchern und einigen Manuskripten:

Peter Kapp. Nach dem Börsengang. Edition Thaleia, 2014

Peter Kapp. Kummersdorf. Erzählungen. Edition Thaleia 2011

Vierter LeseRitterkurs an der GBS

Seit dem 1. Oktober2012 findet jeden Montag in der Zeit von 13.45 – 14.45 Uhr wieder ein LeseRitterkurs statt, und zwar diesmal im Musikraum des Neubaus, wo auch die Bibliothek untergebracht ist. Diese Atmosphäre begünstigt die Lust am Lesen ganz erheblich, die meisten Kinder finden es gar nicht gut, wenn die wöchentliche Übungsstunde schon wieder vorbei ist.

Marlene Zimmer, unser Coach von der Wiesbadener Schauspielschule, macht mit den Kindern Atem- und Entspannungsübungen, die richtige Körperhaltung für effektives Lesen wird geübt – teilweise mit einem Buch auf dem Kopf und einem in der Hand, was sich als durchaus schwierig herausstellt; die Schülerinnen und der einzige Junge, der dabei ist, werden ermutigt, an ungewöhnlichen Orten in ebenso ungewöhnlichen Körperhaltungen zu lesen, wie z.B. sitzend auf einem Baum, stehend auf der ‚Badewanne‘ (nur Insidern ein Begriff!), balancierend auf dem Abipferd, liegend auf der roten Bank vor dem Sekretariat, stehend auf einer Menschenpyramide oder zusammengequetscht in einen Schrank eingezwängt. An solchen Übungen merkt man ganz deutlich, dass Marlene Schauspielerin ist, die es gewöhnt ist, in allen auch noch so komischen Lebenslagen zu sprechen und zu agieren – und diese Fähigkeit möchte sie den Kursteilnehmern vermitteln. Letztlich geht es dabei um die Ausbildung eines besseren Körpergefühls, aber auch um Mut und Selbstvertrauen.

Sprachlich bewegen sich die Übungen im Lockern der Stimmbänder, und der Fähigkeit, die Stimme je nach Publikum, Raumsituation und Text zu modulieren. Gelernt wird, Gefühle beim Lesen eindrücklich zu vermitteln, dies – je nach Bedarf – sehr laut oder leise, mit ängstlichem oder freudigem Unterton.

Die Königsdisziplin in diesem Bereich ist das Lesen vor Publikum in einem großen Raum mit Nebengeräuschen.

Der Vortragende stellt sich vor, anschließend sein Buch mit Autor und Titel, möglichst ergänzend einige Worte zum Inhalt – dies alles in gerader Körperhaltung und freundlichem Gesicht, unaufgeregt, unverkrampft, selbstbewusst. Alle Kursteilnehmer lernen bereits am Anfang, dass es außerordentlich wichtig ist, Blickkontakt zu den Zuhörern herzustellen, um sie aktiv mit in das Geschehen der Geschichte einzubeziehen. Und schließlich geht es auch darum, den Spaß, den man selbst beim Lesen des Buches hat, dem Publikum zu vermitteln.

Leider ist der laufende LeseRitterkurs am kommenden Montag schon zu Ende, dann freuen sich die Kinder auf den ‚Ritterschlag‘, den sie in Kürze im Rahmen eines Festaktes im Rathaus erhalten werden. Anschließend können sie dann individuell oder mit einer Gruppe der GBS in sozialen Einrichtungen lesen und bekommen dafür pro ‚Einsatz‘ einen Büchergutschein von 5 Euro, den die Wiesbaden-Stiftung zur Verfügung stellt.

Es wäre schön, wenn uns die Wiesbaden-Stiftung im nächsten Halbjahr einen weiteren Kurs sponsern würde, damit diese wunderbare Form der Leseförderung weitergehen könnte.

Die LeseRitter aus dem letzten Schuljahr lesen aktuell bis Weihnachten mittwochs um 16.00 Uhr in der Seniorenresidenz Kursana und auch für Januar und Februar sind bereits Termine ausgemacht.

Teilnehmer des aktuellen LeseRitterkurses sind: Romina Müller, Marc Tuschak (beide 6s), Florentine Felke, Linda Heidner, Louisa Daum (alle 6a), Deren Göral, Ronja Kröger (beide 6d), Albiona Rizanaj und Yana Vilgelmi (beide 5c).

Gudrun Zitzke-Klöckner

[Update]: Leseritterkurse an der GBS

Seit September 2011 haben an der GBS 2 Leseritterkurse stattgefunden, die von der Wiesbaden-Stiftung  gesponsert wurden und die auf Vermittlung von Eltern der 6a zustande kamen.

Insgesamt erhielten 15 Kinder der Klasse durch Marlene Zimmer, Absolventin der Wiesbadener Schauspielschule  und ehemalige Gutenbergschülerin, ein Sprech- und Lesetraining.

Das Projekt ‚LeseRitter‘ ist eine Initiative der Wiesbaden-Stiftung, das junge Menschen ermutigen möchte, als Vorleser in Altenheimen, Kindergärten, Schulen und anderen sozialen Einrichtungen zu agieren.

Am Donnerstag, d.26. Januar 2012 werden die Schüler unserer Schule im Festsaal des Rathauses im Rahmen einer feierlichen Zeremonie zusammen mit Kindern anderer Schulen den Ritterschlag zum LeseRitter erhalten. Damit können die Schüler von oben aufgeführten  Einrichtungen zum kostenlosen Vorlesen gebucht werden. Als Anerkennung erhalten sie Büchergutscheine im Wert von 5 Euro, die von den Wiesbadener Buchhändlern „Sechs Richtige“ zur Verfügung gestellt werden und bei diesen (Büchergilde, Angermann, Lesen&Leben,  Pristaff, Dr. Vaternahm und erLesen)  eingelöst werden können.

Seit 2008 wurden bereits mehr als 200 Schüler zum LeseRitter ausgebildet, die Vorleseeinsätze an der GBS werden von Frau Nelte (ehemalige Schulleiterin der Siemensschule und Frau Zitzke-Klöckner, Klassenlehrerin der 6a und Ansprechpartnerin für den Bereich ‚Leseförderung‘ an der GBS) koordiniert und durchgeführt.

Ein erster Besuch, bei dem 8 Schüler vorlasen, fand wenige Tage vor Weihnachten im Clemenshaus (Seniorenheim ) in der Biebricher Allee statt. Dabei mussten die Schüler feststellen, dass es unbedingt notwendig ist, die Lautstärke der Stimme der jeweiligen Zielgruppe anzupassen – in diesem Fall bedeutete das, dass die Schüler  wegen teilweise vorhandener Schwerhörigkeit sehr laut lesen mussten. Auch wenn trotz aller Bemühungen nicht alle anwesenden Damen etwas verstanden, so war doch an ihren aufgeweckten Augen zu erkennen, dass sie sich über die Maßen freuten, so viele junge fröhliche Leute um sich zu haben. Bei manchen wurden Erinnerungen wach und sie erzählten, dass sie selbst oder Mitglieder ihrer Familie auch die GBS besucht hätten.

Besonders sollte erwähnt werden, dass die Stiftung Lesen das LeseRitterprojekt mit dem Leseförderungspreis “Auslese2011“ in der Kategorie „Herausragende Initiativen“ ausgezeichnet hat. Dabei betonte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Lesen Dr. Jörg Pfuhl, dass das Vorlesen eine „faszinierende Erfahrung sein könne: für die Zuhörer, aber auch für die Vorlesenden selbst“.

Da die Kurse so beliebt bei den Schülern sind, hat ein Schülervater der Klasse einen Aufbaukurs spendiert – was für viel Freude bei den Interessierten sorgte.

Um aber auch Kinder anderer 6. Klassen in den Genuss eines solchen Lesetrainings kommen zu lassen, wurde Frau Fey von der Wiesbaden-Stiftung gebeten, sich im Projektausschuss dafür einzusetzen, dass ein weiterer Kurs an der GBS stattfinden kann – mit Erfolg: Im neuen Halbjahr können aus jeder 6. Klasse 2 interessierte Schüler teilnehmen, und zwar mittwochs montags in der Zeit von 13.45 – 14.45Uhr.

Ein Kurs umfasst jeweils maximal 8 Schüler, findet 8 mal statt und macht riesig viel Spaß!!

Wenn der Zeitpunkt des Beginns feststeht, wird der jeweilige Deutschlehrer festlegen, welche Kinder aus seiner Klasse teilnehmen können.

Ausblick: Weitere Vorlesenachmittage sind bereits in Planung, und zwar in der Bücherei der Kloppenheimer Grundschule sowie der Schumannschule.

Gudrun Zitzke-Klöckner

Update: Das Lesetraining findet montags von 13:45 – 14:45 Uhr statt.