Uni goes Schule

Zwei Geschichtsstunden der besonderen Art erlebten heute, am 18.05.2017 die Schüler und Schülerinnen der Klasse 6b. Auf dem Programm stand alles rund um das Thema „Hieroglyphen – die Schrift der alten Ägypter“. Einen Einblick in die Entwicklung der verschiedenen Schriftarten vermittelte Frau Knebel, Studentin am Fachbereich Ägyptologie der Universität Mainz, mit Hilfe einer sehr anschaulichen Power-Point-Präsentation.

Wer hätte gedacht, dass die Ägypter nicht nur von rechts nach links, sondern auch von links nach rechts schrieben und sich dies in jeder Zeile ändern konnte. Die Leserichtung kennzeichnete manchmal eine kleine Hieroglyphe in Form eines Fisches. Ganz schön kompliziert!

Nach dem Theorieteil ging es in einem kleinen Workshop um die Praxis. Nun durften die Schülerinnen und Schüler selbst mit Binsen, dem Schreibgerät der Ägypter, auf Papyrus schreiben. Manche schrieben „geheimnisvolle Botschaften“ für ihre Eltern und Geschwister, die diese dann zu Hause entziffern dürfen, andere ihren Namen oder auch kurze Sprüche. Allen hat es viel Spaß gemacht. Einen herzlichen Dank an Frau Knebel für zwei spannende Stunden!

Zum Abschluss noch einige Stimmen aus der 6b zum Projekt „Studierende an Schulen“:

Chiara: „Wir durften mit Binsen auf Papyrus schreiben. Außerdem haben wir eine neue Schrift kennen gelernt, die Hieroglyphen. Das fand ich sehr gut!“

Dana: „Ich fand die Stunde sehr spannend, da wir auch mal selbst unsere Namen auf Altägyptisch auf Papyrus geschrieben haben. Die Power-Point-Präsentation war auch sehr spannend, da auch viele Bilder gezeigt wurden. So konnte man sich alles gut vorstellen. Außerdem hat uns Frau Knebel alles auch gut erklärt.“

Emilia: „Ich fand auch gut, dass wir am Ende auf Papyrus schreiben durften. Außerdem hat uns Frau Knebel alle Fachbegriffe genau erklärt und hatte sogar eine Power-Point-Präsentation vorbereitet. Am Ende hatten wir auch eine Liste mit den ägyptischen Hieroglyphen, die wir mitnehmen durften. Auch die Themen fand ich spannend und interessant. Ich fand, die Stunden waren toll und mal etwas anderes.“

Sophie: „Ich fand gut, dass wir einen kleinen Einblick in die Vergangenheit bekommen haben und dass wir auf Papyrus schreiben durften und die Schrift kennen gelernt haben.“

Sophia: „Ich fand es spannend und interessant mal auf Papyrus zu schreiben. Außerdem war der Vortrag super erklärt und für alle Kinder gut zu verstehen! Es war auch toll mal zu sehen, wie die alten Ägypter geschrieben haben. Insgesamt fand ich die Stunden super!“

Lena: „Ich fand es gut, weil es spannend, aber auch wissenschaftlich und verständlich erklärt wurde. Es waren auch viele Bilder zu sehen, die die Themen besser beschrieben haben.“

Lara: „Ich fand es sehr cool, dass wir am Ende selbst auf Papyrus malen durften.“

 

3. Preis im Landeswettbewerb

Philip Everhart, Klasse 9c, hat einen 3. Preis beim Schülerwettbewerb gewonnen, den die Hessische Landeszentrale für politische Bildung und der Landtag gemeinsam ausrichten.

Der Landeswettbewerb hat jedes Jahr eine andere thematische Ausrichtung und besteht aus einem Aufsatzteil für die Klassen 9 -13, aus dem je nach Interesse aus einer Vielzahl von Aufgaben eine zur Bearbeitung ausgewählt werden kann und aus einem Fragebogen für die Klassen 6 – 8.  Eingereicht werden können Beiträge in Form von Plakaten, Aufsätzen, Collagen, Reportagen oder Filmen. Zu gewinnen gibt es Reisen, Tagesausflüge und Sachpreise.

Beim diesjährigen Wettbewerb stand mit dem Thema „Hessen, die Emilia Romagna und die Friedensschule Monte Sole“ die italienische Partnerregion unseres Bundeslandes im Fokus.

Philip wählte ein historisches Thema und verglich in seiner Arbeit die Architektur des Nationalsozialismus mit der des italienischen Faschismus. Im Deutschunterricht erstellte er eine Dokumentation seiner Ergebnisse und konnte so praktisch üben wissenschaftliche Texte sowie Lexikonartikel auszuwerten.

Am 20. April findet im Landtag die Preisverleihung durch den Präsidenten des hessischen Landtags, Norbert Kartmann, statt.

Bei Interesse an einer Teilnahme am nächsten Landeswettbewerb (Sept. 2017 – Anfang Feb. 2018) finden sich Informationen unter:

http://www.hlz.hessen.de/themen/th-jugend/wettbewerbe.html

Exkursion des Geschi-GK in das Frauenmuseum Wiesbaden

Am Dienstag, den 17. Januar 2017 saßen wir morgens nicht so wie immer in unserem Geschi-Raum, sondern trafen uns mit Frau Thorn um 9.00 Uhr vor dem Frauenmuseum Wiesbaden in der Wörthstraße.
Im Unterricht hatten wir uns mit der Gesellschaft im Kaiserreich befasst, insbesondere mit der Frauenbewegung von 1848 bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Hierzu hatten wir ein ausführliches Referat von Paul und Vivien gehört. Somit verfügten wir schon über ein bisschen Vorwissen und dieser Museumsbesuch war die perfekte Gelegenheit für uns, dieses zu erweitern.
Das Frauenmuseum in Wiesbaden wurde im November 1984 als das 2. Frauenmuseum in Deutschland eröffnet; nur 50 Museen zu dieser Thematik finden sich weltweit.
Hier in Wiesbaden sammeln Beatrixe Klein und Kim Engels gemeinsam mit ihrem Team schon über viele Jahre hinweg Informationen zu einzelnen bedeutenden Frauen, beschäftigen sich mit der Frage, wie Frauen seit dem 19. Jahrhundert im Wandel der Zeit gelebt haben und wie sich die Geschlechterverhältnisse in den verschiedenen Epochen darstellen lassen.
Unsere 45-minütige Führung von Kim Engels durch das 3-stöckige Haus war sehr lebhaft und interessant gestaltet, die jugendlich wirkende Frau sprühte nur so vor Begeisterung und so hörten wir gespannt zu.
Die erste Ausstellung in der obersten Etage hieß „Hopeful Arrival“. Dort hingen Bilder von 16 geflüchteten Frauen aus verschiedenen Kulturkreisen, hauptsächlich aber aus Syrien und Afghanistan, welche alle das gemeinsame Ziel verfolgen erkennbar „Frau sein“ zu dürfen, d.h. keinen Schleier tragen zu müssen. Mit diesen interessanten Frauen arbeitet das Team des Frauenmuseums schon längere Zeit zusammen und erfährt bei regelmäßigen Treffen etwas über deren Leben. Vor allem die Visionen, Träume, Wünsche und Ziele dieser Frauen werden eingefangen und auf anschauliche Weise im Museum dargestellt.
Eindrucksvoll und zum Nachdenken anregend waren Fäden, die unter den Bildern in einem scheinbaren Wirrwarr angebracht worden waren und Buchstabenkombinationen  miteinander verbanden; bei genauem Hinsehen beziehungsweise Verfolgen dieser bildeten sich Wörter, beziehungsweise Aussagen wie „Stille“, „Frieden“, „sich sicher fühlen“, „Deutschland = frei sein“, „Gleichberechtigung“, „Liebe“ oder „Respekt“.
Im 2. Stock konnten wir unzählige unterschiedliche Frauenfiguren als das Ergebnis einer Grundlagenforschung entdecken. An einem sehr anschaulichen Beispiel erzählte uns Kim Engels, welches Bild vor noch gar nicht allzu langer Zeit von Frauen bestand – ja bis heute in vielen Kulturkreisen noch besteht und wie sehr das weibliche Geschlecht in bestimmte Vorstellungen „hineingepresst“ wurde. Man hatte menschliche Knochen mit einer Reihe von Waffen drumherum liegend gefunden; zweifelsohne musste das ein tapferer Krieger gewesen sein… . Als aber Jahrhunderte später eine Gynäkologin das Skelett erneut in Augenschein nahm, stellte sich heraus, dass es sich wohl um eine tapfere KriegerIN gehandelt haben muss, denn die Form des Beckens zeugte von mehreren Schwangerschaften.
Im Ausstellungsbereich „Cyclomania – radelnde Frauen“ in der ersten Etage konnten wir uns darüber informieren, wie Frauen durch die Erfindung des Fahrrads seit Beginn des 19. Jahrhunderts einerseits eine ungleich größere Mobilität genossen, andererseits aber durch die für diese Epoche typische Frauengarderobe stark eingeschränkt wurden.
Da das Frauenmuseum Wiesbaden aktuell den 200. Geburtstag des Fahrrads feiert, wurden wir in dieser Ausstellung zu einer Zeitreise in die Geschichte des Damenfahrrads eingeladen.
Kim Engels erzählte uns, Frauen seien schon von Beginn an gerne geradelt, hätten aber lange Zeit unter massiver Diskriminierung leiden müssen, indem sie beschimpft oder gar bespuckt wurden, weil es als unschicklich für das Frauengeschlecht galt, sich mit seiner Alltagskleidung auf ein Hochrad, auf die Michauline oder auf eine „Drais`sche Laufmaschine“ zu begeben. Die langen Kleider wogen bis zu 10 Kilo und das damals übliche Korsett machte ein komfortables Fahren schier unmöglich. Als das „Ladies Pedestrian Horse“ – ein Laufrad ­– erfunden wurde, entwickelte sich auch die Kleidung weiter. Jetzt trugen die Frauen erstmalig weite Pumphosen, die endlich auch einen bequemen Sitz auf dem Rad ermöglichten.
Wenn man also die Geschichte des Fahrrads betrachtet, so sind neben dessen technischer Entwicklung auch die sozialen Aspekte darum herum mit einzubeziehen.
Zum Ende des Vormittags hörten wir uns einen längeren Vortrag von Beatrixe Klein über zwei Frauen an, die für die feministische Bewegung besonders wegweisend waren: die zwei Frauenrechtlerinnen Anna von Doemming und Ika Freudenberg, die sich für den Verein der Frauenbildungsreform engagiert haben.  
Durch unseren Ausflug in das Frauenmuseum Wiesbaden haben wir einiges über die Frauenbewegung seit Beginn des 19. Jahrhunderts dazulernen und unser Wissen aus der Schule mit neuen Informationen und Anschauungsweisen bereichern können.

von Elise Steinbrenner

 

Geschichtskurs der Q3 beschäftigt sich im Landesmuseum Wiesbaden mit NS-Raubkunst

im-museumAm 18.11.2016 unternahm der Geschichtskurs der Q3 von Frau Thorn einen Ausflug ins Landesmuseum Wiesbaden. Anlass der Exkursion war die Beschäftigung mit den auch heute noch existenten Folgen der NS-Zeit, denn bei einigen der dort ausgestellten Gemälde handelt es sich um NS-Raubkunst. Diese soll mit Hilfe der Provenienzforschung an jene Menschen zurückgegeben werden, die von den Nationalsozialisten enteignet wurden. Da viele ehemalige Besitzer die NS-Zeit nicht überlebten, müssen oft die Erben ermittelt werden. Insgesamt werden im Landesmuseum Wiesbaden etwa 200 Gemälde aus der Zeit von 1935–1945 aufbewahrt, deren Herkunft bislang nicht ermittelt werden konnte. Lediglich sechs Fälle wurden bereits geklärt. Bei ihnen handelt es sich zweifelsfrei um Raubkunst. Das Ziel der Provenienzforschung ist es also, die Herkunft der Gemälde herauszufinden. So können die Kunstwerke entweder an ihren ursprünglichen, rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden oder aber sie dürfen mit seinem Einverständnis oder dem seiner Erben offiziell im Museum ausgestellt werden.

Die Geschichte dieser besonderen Gemälde zurückzuverfolgen, ist die Aufgabe der Provenienzforscherin Miriam Merz, die im Landesmuseum Wiesbaden arbeitet. Sie führte uns zu einem dieser Werke und ließ uns an dessen Geschichte teilhaben: Es handelte sich um das Gemälde „Die Labung“ von Hans von Marées, das ursprünglich dem jüdischen Industriellen Max Silberberg aus Breslau gehörte.

Frau Merz erklärte uns, dass es oftmals fast unmöglich sei den rechtmäßigen Besitzer oder seine Erben ausfindig zu machen. Der Grund dafür sei, dass einige Gemälde jahrelang in privaten Wohnungen gelagert wurden, bis sie eventuell (wieder) in einem Museum oder auf dem Kunstmarkt auftauchen. Der uns berichtete Fall des Gemäldes „Die Labung“ konnte glücklicherweise erfolgreich abgeschlossen werden, sodass das Kunstwerk nun rechtmäßig im Landesmuseum Wiesbaden ausgestellt wird. Man hat sich mit den Erben auf einen Preis für das Gemälde geeinigt, der dem aktuell erzielbaren Wert bei einer Auktion entspräche.

Es ist davon auszugehen, dass dies auch im Sinne von Hans von Marées ist; denn wie sagte der Künstler Max Liebermann einst: „Was kann einem Künstler angenehmer sein, als zu wissen, dass seine Arbeiten in liebevollen Händen sind.“

 

von Lea Rudershausen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                                             

Geschichtsgrundkurse besuchten Euthanasie-Gedenkstätte in Hadamar

 

Die Gedenkstätte Hadamar
Die Gedenkstätte Hadamar

Am 06.09.2016 fuhren die Geschichtskurse der Q3 von Frau Kugler, Herrn Pielert und Frau Thorn zur Gedenkstätte Hadamar in der Nähe von Limburg. Hierbei handelte es sich um eine von sechs Euthanasie-Anstalten, in denen im Zweiten Weltkrieg behinderte Menschen getötet wurden. Insgesamt starben in Hadamar circa 15.000 Menschen.

Nachdem wir in Hadamar ankamen, wurden die Kurse in zwei Gruppen aufgeteilt. Mit Bildern, Zitaten, Briefen etc. wurden wir über die Euthanasie im Zweiten Weltkrieg und die Rolle der Anstalt Hadamar informiert.

In einer Gruppenarbeit haben wir uns dann mit den Einzelschicksalen der Opfer näher beschäftigt.

Anschließend wurden wir in die Garage geführt, in der die Busse mit den behinderten Menschen damals ankamen und liefen ihren Weg in der Anstalt ab. So kamen wir auch ins Arztzimmer und später dann in den Keller, worin sich Gaskammer und Krematorium befanden. Es war sehr erschreckend zu erfahren, dass 60-80 Menschen auf 12 qm noch am selben Tag ihrer Ankunft getötet und danach verbrannt wurden. Auch wurden wir während der Führung immer wieder mit den Schicksalen einzelner Menschen und dem Verhalten der Täter bekannt gemacht, was das Ganze um einiges besser vorstellbar machte.

Die letzte Station der Exkursion war der Friedhof, der die zweite Phase der Euthanasie kennzeichnet. Dort sind die Menschen begraben, die durch die Gabe von Medikamenten getötet wurden. Aufgrund von Protesten einzelner Bischöfe wurde die Euthanasie 1942 so fortgesetzt, dass die Öffentlichkeit davon weniger mitbekam.

Die Exkursion hat uns alle zum Nachdenken angeregt. Hadamar ist eine beeindruckende Gedenkstätte und ein Ort, der einen plastischen Einblick in ein sehr dunkles Kapitel der deutschen Geschichte vermittelt. Man muss sich immer bewusst sein, wie man Menschen behandeln sollte und wie sie einst behandelt wurden.

 

Von Theresa Geißler, Magdalena von Wedel und Katja Thorn

Gutenbergschüler gewinnen 1. Platz bei Geschichtswettbewerb

Im September 2015 schrieb die hessische Landeszentrale für politische Bildung wie jedes Jahr einen Schülerwettbewerb aus. Das Thema lautete diesmal „25 Jahre deutsche Einheit“. Teil nahm auch die Klasse 8c, die dafür 13 verschiedene Aufgaben bewältigen musste. Die Gruppenarbeiten beschäftigten sich unter anderem mit dem Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche, dem Berliner Reichstag und den historischen Ereignissen, die dort stattgefunden haben und der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, einem ehemaligen Stasi-Gefängnis.

Fünf Schülern und Schülerinnen der 8c, Philip Everhart, Carlos Hessel, Ricarda Mencke, Sophia Sidirorpoulos und Yana Vilgelmi, gelang es mit ihrer Arbeit einen 1. Platz zu belegen. Bei einem Empfang im Wiesbadener Landtag am 13.04. wurden sie zusammen mit vielen anderen Schülern aus ganz Hessen für ihre hervorragenden Leistungen von Bernd Heidenreich, dem Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, ausgezeichnet.

Als Preis für ihre Mühen dürfen sie sich auf eine Tagesfahrt nach Frankfurt am 06. Juni freuen.

Die Glücklichen Gewinner
Die glücklichen Gewinner

 

Gruppenbild mit anderen Gewinnern
Gruppenbild mit anderen Gewinnern

(Foto:Hermann Heibel)

Zweite Begegnung mit polnischen KZ-Opfern an der GBS

Zum zweiten Mal kam nun eine Gruppe von dieses Jahr drei Zeitzeuginnen aus Polen, um von ihren Erlebnissen während und nach dem Zweiten Weltkrieg zu berichten.
In der Aula der Gutenbergschule versammelten sich rund 180 SchülerInnen der 13. Klassen, um vom Leben und von den Erinnerungen von Zofia Wareluk, Marianna Naróg und Krystyna Gil zu erfahren.
Hierbei waren vor allem die detailreichen Beschreibungen von Frau Gil sehr ergreifend: Jahrgang 1938, überlebte sie, zusammen mit ihrer Großmutter, als einzige die „Säuberung“ von Szczurowa. Dabei wurden 93 Romafamilien vollständig ermordet.

Die sehr genauen Fragen der SchülerInnen zeugten von Ausmerksamkeit
und tiefer Betroffenheit.

Gegründet 1977, setzt sich „Zeichen der Hoffnung e.V.“ für die Entschädigung polnischer KZ-Opfer ein und organisiert regelmäßig Zeitzeugengespräche in Deutschland un Polen.

(Text: Nils Fromm
Bildquelle: „Zeichen der Hoffnung –  Znaki Nadziei e.V.“ zeichen-der-hoffnung.org)

Gedenkstättenfahrt 2012 – Anschauungsunterricht in Berlin

„Anstrengender als eine normale Schulwoche,“ moniert der 17-jährige Sebastian Riegger, „aber auch viel interessanter und lehrreicher“, gibt er im Nachhinein zu.

Am Montag den 18. Juni brachen der Geschichtsleistungskurs, der LK Politik und Wirtschaft sowie einige Geschichtsgrundkursschüler der Gutenbergschule Wiesbaden im Morgengrauen um 5:30 Uhr nach Berlin auf, um an zentralen Schauplätzen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts Eindrücke zu sammeln und bereits Gelerntes zu vertiefen.

Der Einstieg der Gedenkstättenfahrt erfolgte noch am Tag der Ankunft mit dem Besuch des Deutschen Historischen Museums, wo ein Teil der Ausstellung über die Weimarer Republik besichtigt wurde.

Der Dienstag war ganz der Bundeshauptstadt selbst gewidmet. Nach einer ausführlichen Stadtrundfahrt ging es in den deutschen Reichstag, wo ein Gespräch zwischen den Schülerinnen und Schülern und einem Referenten der Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder auf der Agenda stand.

Der dritte Tag der Studienfahrt stand ganz im Zeichen der DDR. Auf den Besuch des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit an der Normannenstraße, welches heute als Gedenkstätte dient, erfolgte das persönliche Highlight vieler Schülerinnen und Schüler mit der Besichtigung des ehemaligen Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen, wo ein früherer Insasse, der sich selbst als „Ex-Knacki“ bezeichnet, eindrücklich von seiner Zeit hinter Gittern erzählte.

„Das Gefängnis selbst hatte schon etwas Furchteinflößendes, aber durch die Erzählungen über die grausame Behandlung der Häftlinge habe ich richtig Gänsehaut bekommen“, sagt Annika Pinger.

Eine Pause zur Regenerierung war den Fahrtteilnehmern zunächst noch nicht vergönnt, denn ein Besuch der Gedenkstätte „Berliner Mauer“ stand anschließend auf dem Programm, wo sie an einer Führung entlang der Bernauer Straße teilnahmen und von teils gelungenen, teils aber auch tödlichen Fluchtversuchen erfuhren.

Rückwärts ging es am Donnerstag in der Geschichte. An diesem Tag drehte es sich thematisch um das Dritte Reich. Das Tagesprogramm sah den Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Sachenhausen, des Museums „Topographie des Terrors“ sowie der „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“ vor.

„Hier an Ort und Stelle sind die Eindrücke viel intensiver, so etwas kann ein Geschichtsbuch gar nicht vermitteln“, so Anton Kaus.

Am Freitag, dem Tag der Abreise, stand nur noch der Besuch des Filmmuseums im Sony Center an, in welchem ein großer Nachlass Marlene Dietrichs zu bewundern war. Kino und Film als Propagandainstrument war ein Schwerpunkt der Museumsführung.

„Es war einfach eine runde Sache. Die Woche hat Spaß gemacht und gelernt hat man dabei auch noch viel“, sagt Konstantin Wendt, der sowohl die Meinungen der 41 Schülerinnen und Schüler, als auch die der Fahrtenleiter Jessica Küster und Michael Elster aufgriff, die beide sehr stolz auf die gelungene Fahrt und die tüchtigen Schülerinnen und Schüler sind.

von Elena Imhof und Julian Lowell

In der Gedenkstätte Hohenschönhausen sprechen die Schülerinnen und Schüler mit einem Zeitzeugen über seine Erlebnisse in diesem Stasi-Gefängnis
Eingang der Gedenkstätte des KZ Sachsenhausen
Das Holocaustmahnmal in Berlin
Vor dem Reimstagsgebäude wird eines von vielen Kurzreferaten zur Einstimmung gehalten

Fotos: Michael Elster

Besuch von ehemaligen KZ-Häftlingen an der Wiesbadener Gutenbergschule

Zehn Uhr vormittags. Aula der Gutenbergschule. 180 Schüler sind versammelt, und man könnte eine Stecknadel fallen hören. Auf dem Podium berichten vier Gäste aus Warschau von ihren schlimmen Erlebnissen während der Besetzung ihres Landes durch Nazideutschland. Nach dem Überfall auf Polen im September 1939 wurden die Schulen geschlossen, Lehrer, Pfarrer, Ärzte, die Intelligenz des Landes verhaftet.

 

Bei der heute 88jährigen Sabina Nawara traf es die gesamte Familie, die im Widerstand engagiert war. Zehn Tage Verhöre bei der Gestapo („Sie wollten Namen wissen.“), ein Zeitraum, über den sie ansonsten schweigt. Dann Transport nach Auschwitz, wo die Ankömmlinge kahl geschoren wurden, Tätowierung der Häftlingsnummer, Baracken, harte Arbeit, schlechtes Essen. „Wir hatten eine Zahnbürste, kein Handtuch, keine Toiletten“, erinnert sich Pani Sabina.

 

Eugeniusz Dąbrowskis Familie wurde denunziert, weil sie einem jüdischen Freund Zuflucht gewährte. Mitten in der Nacht stand ein SS-Kommando vor der Tür. „Zum Glück war der Jude zu diesem Zeitpunkt nicht bei uns, sondern im Haus einer meiner Schwestern. Sonst wären wir sofort erschossen worden“, sagt Dabrowski. Anders als in den übrigen besetzten Ländern galt in Polen auf das Verstecken von Juden die Todesstrafe. So wurden Mutter, drei Schwestern, ein achtjähriger Neffe und der junge Dabrowski „nur“ nach Auschwitz gebracht. Wie die anderen Zeitzeugen wurde er durch verschiedene Lager geschleust, musste in der Waffenproduktion arbeiten.

 

Schikanen, Übergriffe, willkürliche Festnahmen prägten die deutsche Besatzungszeit. Nach dem von der polnischen Heimatarmee organisierten Warschauer Aufstand Anfang August 1944 begannen die Nazitruppen, die Stadt zu evakuieren, Block für Block abzufackeln. Überall auf den Straßen lagen Leichenberge, die mit Benzin übergossen und angezündet wurden. „Am 10. August 1944 begann meine persönliche Tragödie“, erzählt Maria Stroińska, die damals 12 Jahre alt war. Wie viele andere wurde auch ihre Familie aus der Wohnung gezerrt, der Vater vor ihren Augen erschossen, die Mutter schwer verletzt. Die vier Jahre ältere Schwester kam ins KZ Neuengamme bei Hamburg, Maria selbst mit einem Kinder­transport nach Auschwitz. Es folgte der harte Frostwinter 1944, pseudomedizinische Versuche durch den berüchtigten KZ-Arzt Dr. Josef Mengele, die Evakuierung von Auschwitz, lange Fußmärsche nach Osten. Schließlich das „happy end“ mit der Rückkehr ins zerstörte Warschau. Die Mutter, krank zwar, hatte überlebt. „Ich hatte keine Kindheit“, sagt Maria Stroińska.

 

Ob und wie sie diese traumatischen Erfahrungen verarbeitet haben, wollen die Gutenberg­schüler wissen. Beiseite geschoben, ausgeblendet, jahrelang – so sei sie mit den Leiden umgegangen, erklärt die 88jährige Alina Dąbrowska. In beeindruckend gutem Deutsch übrigens, denn sie hat vor dem Krieg im Gymnasium die Sprache gelernt. „Wenn mich eine Bekannte aus dem Lager auf der Straße ansprach, sagte ich, ich kenne Sie nicht, ich war nicht dort.“ Unter langärmligen Pullovern habe sie die eintätowierte KZ-Nummer verborgen. Sie habe fünfzig Jahre gebraucht, bevor sie erstmals nach Auschwitz fahren konnte. So wie Maria Stroińska. Ob ihnen die Religion geholfen habe, und was die schlimmsten Ereignisse gewesen  seien, fragen die Schüler weiter. Ja, der Glaube sei eine wichtige Stütze, sagen die Gäste. Ge­meinsam hätten die Häftlinge Lieder gesungen und gebetet, die Hoffnung nicht aufgegeben.

 

Die schlimmsten Ereignisse? Die Nacktheit bei der Ankunft im KZ, sagt Sabina Nawara. Männer, Frauen, Junge, Alte. Ein Schock. Für Eugeniusz Dabrowski Weihnachten 1944: Während die Wachen „O Tannenbaum“ sangen, versuchten er und ein Mitgefangener, hungrig, Kartoffelschalen zu stehlen. Sie wurden entdeckt, misshandelt, schwer verletzt.

 

Die Polen freuen sich über das Interesse der Jugendlichen. Nach dem Krieg habe sie zunächst Angst gehabt, Deutsche zu treffen, sagt Alina Dąbrowska. Aber sie sei freundlich aufgenom­men worden. Den Kontakt nach Deutschland ermöglicht unter anderem der Evangelische Ver­ein Zeichen der Hoffnung.  Die Initiative mit Sitz in Frankfurt am Main, die seit 1977 besteht, versteht sich als deutsch-polnisches Versöhnungswerk. Sie unterstützt ehemalige KZ-Häft­linge und organisiert regelmäßig Kuraufenthalte.

 

Sabina Nawara bemerkt „viele traurige Gesichter“ im Publikum. Aber „das sind Leiden der Vergangenheit. Wir sind nicht hier, um anzuklagen.“ Immer wieder betonen die Gäste, die Bedeutung freundschaftlicher Beziehungen, Frieden, zumindest in Europa. Ihre Botschaft an die jungen Wiesbadener: „Seid aufmerksam, wenn respektlos mit Menschen umgegangen wird und engagiert euch, schreitet ein.“