Bundeswettbewerb Mathematik 2019 – Daniel Zinnkann in Jena ausgezeichnet

(Jena, 11.12.2019) Daniel Zinnkann (Q3) löst gerne mathematische Probleme. Keine Knobelaufgaben sondern komplexe mathematische Fragestellungen, die sogar Mathematik-Studenten und Mathelehrer vor erhebliche Schwierigkeiten stellen können. Daher ist auch klar, dass Daniel bereits seit vielen Jahren regelmäßig am Bundeswettbewerb Mathematik erfolgreich teilnimmt.

In diesem Jahr erreichte er in der 2. Runde einen 3. Preis, heute wurde er daher mit den anderen Preisträgern aus Brandenburg, Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zur Preisverleihung nach Jena zur Carl Zeiss AG eingeladen. Dort nahm er die Auszeichnung im Beisein seines Vaters und seines Mathematiklehrers Andreas Meier entgegen. Herzlichen Glückwunsch.

Daniel darf auch im kommenden Jahr noch ein letztes Mal am Bundeswettbewerb Mathematik teilnehmen, der übrigens im Jahr 2020 sein 50-jähriges Jubiläum feiert. Ein guter Zeitpunkt, diesmal vielleicht auch teilzunehmen.

Das Assessment-Center – ein Tor zum Erfolg!

Erfahrungen mit dem Berufsorientierungstag an der Gutenbergschule

Am 27. November 2019 fand an der Gutenbergschule ein Tag der Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs Q1 statt. Neben einem Assessment-Center standen Tests in den Studiengängen Rechtswissenschaften, Naturwissenschaften, Informatik / Mathematik / Ingenieurwissenschaften, Philologie bzw. Sprachwissenschaften, sowie Wirtschaftswissenschaften zur Verfügung. Diese dauerten unterschiedlich lang. Nachdem man den Test geschrieben hatte, erhielt jeder anschließend im Einzelgespräch seine Auswertung, bei der man einen ersten Eindruck bekam, ob man für dieses Berufsfeld geeignet wäre. Eine gute Sache mit einem schnellen Feedback!

Parallel dazu gab es zwei Workshops zum Thema ‚Assessment-Center‘ und ‚Sich Bewerben‘. Ein Referent erläuterte uns, dass es in vielen Berufsfeldern heute wahrscheinlich ist im Rahmen einer Bewerbung ein Assessment Center durchlaufen zu müssen als einen Eignungstest. Sein Plan war es, einige Tests mit uns durchzuführen, um uns das Erlebnis, in diesem Auswahlprozess unter Stress zu entscheiden, zu vermitteln. An der ersten von ihm gestellten Aufgabe scheiterten dann bereits mehr als 50% der Schüler, wie wir später erfuhren, was für allgemeine Erheiterung sorgte.

Anschließend absolvierten wir ein Bewerbungstraining mit verschiedensten Aufgaben zu logischem Denken, mathematischen Grundkenntnisse, Rechtschreibung und allgemeinem Wissen. Es herrschte großer Zeitdruck, was den ein oder anderen verzweifeln ließ. Auch die nächsten Tests hatten das Ziel, den Bewerber hinters Licht zu führen, und erforderten höchste Konzentration: schwierig an einem Mittwochmorgen!

Der Postkorb, ein Gedankenexperiment, in dem der Bewerber in die Rolle eines Geschäftsführers schlüpfen sollte und verschiedene Vorfälle nach Wichtigkeit einordnen sollte, erhitzte die Gemüter kurzzeitig, welche nur durch das beschwichtigende Eingreifen des Referenten beruhigt werden konnten.

Des Weiteren standen Selbstpräsentationen und das Üben von Bewerbungsgesprächen auf der Agenda. Fazit: Ein fester Stand und ein freundliches Lächeln sind leider nicht alles. Nach konstruktiver Kritik an den Freiwilligen, die sehr reichhaltig ausfiel, wurde uns erläutert, auf welchen Eigenschaften und Fähigkeiten der Fokus liegt. Gegen Mittag war dann ein sehr kurzweiliger Tag beendet, von dem jeder wahrscheinlich etwas Anderes mitgenommen hat. Dennoch war es sehr informativ und ermöglichte uns einen Einblick in firmeninterne Entscheidungsprozesse.

Leif Bergmann und Laura Erbe, Q1 LK Deutsch

 

 

Trotz der kurzen Zeit haben wir einen guten Einblick ins Assessment-Center bekommen. Die Tipps, die wir erhalten haben, sind meiner Meinung nach sinnvoll, da wir nun die typischen Fehler besser meiden können, weil man mehr darauf achtet als sonst. Ich würde diesen Berufsorientierungstag, der dieses Jahr zum ersten Mal an unserer Schule angeboten wurde, weiterempfehlen. Wenn es möglich ist, könnte man eventuell noch versuchen, eine größere Bandbreite an Berufsfeldern anzubieten. Ansonsten finde ich solche Angebote ziemlich nützlich, da man einen Einblick in das gewünschte Berufsfeld bekommt und bereits sehen kann, ob die eigene Einschätzung realistisch ist und ob man sich das für die Zukunft vorstellen kann. Allerdings sollte man sich nicht allein an einem Testergebnis orientieren, sondern sich auch in anderer Hinsicht intensiver mit dem Berufswunsch auseinandersetzen.

Laura Erbe, Q1 LK Deutsch

Smartphones und Kinder – eine gute Idee?

Aktuell besitzen 33 % der 8/9jährigen und 75 % der 10/11jährigen in Deutschland ein eigenes Smartphone, bei den 12/13jährigen sind es schon 95%. Kein Problem? Oder unterschätzt die große Mehrheit der Eltern die mobilen Minilaptops mit integrierter SIM-Card und Dauerzugang zur Erwachsenenwelt?
Das Video zeigt auf, was ein Smartphone in Kinderhand bedeutet, welche hochproblematischen Inhalte aktuell auf Handys von Kindern verbreitet werden und wie man das Thema in den Griff bekommen kann. Am Ende gibt es 15+1 griffige Elterntipps.

Empfehlung: Smartphones sind ok für Jugendliche ab ca. 14 Jahren, die mit problematischen Inhalten ganz anders umgehen können als Kinder, aber auch da mit klaren Regeln (nicht beim Essen und bei Hausaufgaben, nicht nachts im Zimmer).

Wer einem Kind ein Smartphone überlässt, muss sich technisch sehr gut auskennen, um das Handy altersgemäß einzuschränken, und seinem Kind v.a. die Problembereiche des Internets ausführlich erklären, insbesondere das Thema Pädophile. Die meisten Eltern kennen sich aber sowohl technisch als auch inhaltlich eher wenig aus – was wiederum die oben genannten hohen Ausstattungsquoten erklärt. Wer auch nur halbwegs weiß, was Internet bedeutet, auf welche Inhalte und Personen Kinder darin stoßen können, und welche mächtige Sogwirkung digitale Medien auf Kinder ausüben, mutet seinem Kind diese komplexe Technologie nicht zu früh zu – und schon gar nicht uneingeschränkt, unbegleitet und unaufgeklärt.

An der Gutenbergschule besteht für Unterstufenschüler keinerlei Notwendigkeit, ein Smartphone zu besitzen. Seit Jahren besitzt nur etwa die Hälfte unserer Fünftklässler ein Smartphone. Wir nutzen in dieser Altersklasse keine privaten Handys im Unterricht, im 2. Halbjahr der 7. Klasse erhalten die Kinder eine schuleigene E-Mail-Adresse und fangen an, mit den schuleigenen Tablets und im PC-Raum zu arbeiten. Private Handys bieten zu viele Ablenkungsfaktoren (WhatsApp, Instagram, Snapchat, Spiele…), um im Unterricht konzentriert arbeiten zu können. Zudem muss, gewährleistet sein, dass alle Kinder unter denselben technischen Voraussetzungen arbeiten können, das ist bei Schülerhandys nicht gegeben.

 

https://youtu.be/znZXlmsOe-U

Modelleisenbahn-AG mit Einstein-Lok und Schienenoval im Landtag – 16. MINT-Messe 2019

(Wiesbaden, 28.11.2019) Bei der diesjährigen MINT-Messe präsentierte die Gutenbergschule ihre Modelleisenbahn-AG. Das Ganztagsangebot unter Leitung von Karl Christ läuft inzwischen seit 4 Jahren sehr erfolgreich im Keller unserer Schule, bei der 16. MINT-Messe nutzten die teilnehmenden Schüler die Chance, ihre Arbeit einem breiten Publikum außerhalb der Schulmauern zu präsentieren. Das im Landtag aufgebaute Schienenoval und die rollenden Züge zogen die Besucher in Scharen an.

In diesem Jahr reichte es nicht zu einem Preis, dennoch war es eine gelungene Präsentation. Und in der nächsten Woche geht es schon wieder weiter mit der Arbeit im Keller der Gutenbergschule, denn an einer Modelleisenbahn-Anlage gibt es immer etwas zu tun.

 

Erklärvideo zum Thema Bildschirmkonsum und Schulleistungen

Ich habe mal versucht, das hochkomplexe und kontrovers diskutierte Thema „Bildschirmkonsum und Schulleistung“ in einem Erklärvideo zu verarbeiten. Wurde die Schulkrise der Jungen seit Beginn der 90er durch exzessiven Bildschirmkonsum verursacht? Ich bin mir da absolut sicher! Fast jeder 5. Junge spielt an Schultagen 4 und mehr Stunden, das ist schlicht nicht schulkompatibel. Auf die anderen, leicht zu widerlegenden Erklärungsversuche für diese Entwicklung gehe ich im Video ein, ebenso auf die Frage, wie und wann das Gehirn Informationen und abspeichert und wie Bildschirmkonsum diese Prozesse beeinträchtigen kann.
Dass Jungen im Schuljahr durchschnittlich 160 Stunden weniger in Hausaufgaben und Lernen investieren, ist in Sachen Schulerfolg allerdings selbsterklärend, auch ohne Erkenntnisse aus der Hirnforschung… 😉
Nach ca. 30 Stunden Bastelarbeit ist das Ergebnis jetzt online…💪
Zum Glück habe ich mein Abi schon in der Tasche 😉
Qualitätskontrolle und Endabnahme fand erfolgreich in der 7a statt.
Auf weitere Rückmeldungen bin ich gespannt.
 
Günter Steppich

https://youtu.be/vpWAvZe8K-U

 

 

Der Mistkäfer und die Milchstraße

Eine interessante Lesung mit Verena Reinhardt am 15.11.2019

Wusstest du, dass sich ein Mistkäfer beim Rollen seiner Dungkugel an der Milchstraße orientiert? Ich wusste es jedenfalls nicht, bis ich es von Verena Reinhardt beim diesjährigen bundesweiten Vorlesetag in der Aula der GBS hörte. Sie ist Biologin und Schriftstellerin, hat zu Insekten geforscht und muss es daher wissen. Diese ungewöhnliche Orientierung des Mistkäfers gab mit den Anstoß für ihr neuestes Buch, das sie in Auszügen den gespannt lauschenden Fünftklässlern der Gutenbergschule vorlas. Die Hauptfigur des Romans, der Mistkäfer Herr Schnettelbeck, begibt sich darin auf die Suche nach den verschwundenen Sternen. Er vermutet zunächst einen Diebstahl, ist damit aber auf dem Holzweg. Bis zur Lösung des Rätsels muss er noch etliche Abenteuer in der Unterstadt bestehen. Und die größte Hilfe hierbei leisten ihm einige Wirbeltiere, darunter auch eine Menschendame namens Tinea, die höchstens fingergroß ist.

Mit doppelbödigem Humor und leichter Feder greift Verena Reinhardt aktuelle Themen wie Diskriminierung, Umweltschutz und Populismus auf. Der Roman ist gespickt mit Anspielungen, die auch erwachsene Leser amüsieren.

Und die Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen haben jede Menge Fragen an die Autorin gestellt, z. B. ob sie ihre Bücher auswendig könne. Dies musste Frau Reinhardt verneinen. Sie hat aber auf ein intensives Korrekturlesen verwiesen, so ungefähr sechs Mal, bevor ein Buch vom Verlag zum Drucken  geschickt werde. Deswegen würden sich einige Passagen der Geschichte sehr gut einprägen.

„Wird es eine Verfilmung Ihrer Bücher geben?“, lautete eine Frage aus dem Publikum. Dies entscheide der Verlag, der alle Vermarktungsrechte an ihren drei Büchern für 10 Jahre erhalten habe. Bisher sei nichts dergleichen geplant, jedoch würde sie sich natürlich sehr darüber freuen.

Bis dahin bleibt zu lesen und vorlesen die erste Wahl, um sich an den phantasievollen Geschichten zu erfreuen!

Gelesen wurde aus folgendem Buch:

Verena Reinhardt „Herr Schnettelbeck und das Geheimnis der verschwundenen Sterne“

Beltz und Gelberg 2019

 

Weitere Bücher der Autorin:

„Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul“ 2016

„Die furchtlose Nelli, die tollkühne Trude und der geheimnisvolle Nachtflieger“ 2017

Projekt der Klasse 7s am Staatstheater

Von August bis September 2019 nahm die Klasse 7s im Rahmen des Deutschunterrichts an einem Projekt des Wiesbadener Staatstheaters teil. Die Klasse übernahm eine sogenannte „Patenschaft“ für eine Theaterproduktion der laufenden Spielzeit, in diesem Fall für das Stück „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zaunes schaute“ von Jens Raschke. Darin geht es um die Geschichte einiger Tiere, die in dem -auf historischem Vorbild beruhenden- Zoo des Konzentrationslagers Buchenwald leben und unterschiedliche Möglichkeiten verkörpern, wie man auf das Unrecht, das außerhalb des Zoos geschieht, reagieren kann.

Durch die verschiedenen Elemente dieser Patenschaft setzten sich die Schüler sehr intensiv mit dem Stück auseinander. Zur Einstimmung besuchte uns Frau Anne Tysiak vom Staatstheater im Unterricht und führte die SchülerInnen anhand verschiedener theaterpädagogischer Methoden an das Stück heran. Des Weiteren hatten wir die Gelegenheit, zwei Proben des Stücks in der Spielstätte Wartburg zu besuchen, eine davon zu Beginn der Probenzeit auf der Probebühne, die andere als Hauptprobe auf der offiziellen Bühne. Schließlich besuchten wir auch eine reguläre Aufführung. Im Anschluss an die Proben erhielten die SchülerInnen Gelegenheit, mit dem Regisseur und den Schauspielern zu reden und ihnen ihre Eindrücke und Fragen zu dem Stück mitzuteilen.

Weiterer Bestandteil der Patenschaft war eine Führung durch das Wiesbadener Staatstheater.

Dieses Angebot des Staatstheaters war für die Klasse und auch für mich als ihre Deutschlehrerin sehr anregend und hat allen viel Spaß gemacht.

Einige Schülerbeiträge, die während der Beschäftigung mit dem Stück im Unterricht entstanden sind, sind mit der Homepage des Theaters verlinkt:

https://www.staatstheater-wiesbaden.de/download/23719/patenklasse_was_das_nashorn_sah.pdf

Paul Kester zu Besuch an der Gutenbergschule

Am Mitwoch, den 26. Juni 2019 hat Paul Kester (früher Paul Kleinstraß) als ehemaliger Schüler der Gutenbergschule und Zeitzeuge des Nationalsozialismus den Schülerinnen und Schülern der 9a und 9b von seinem Leben zur Zeit des Nationalsozialismus in Wiesbaden erzählt.

Paul Kester, als Kind jüdischer Eltern 1925 in Wiesbaden geboren, wuchs zunächst „ganz normal“ in einer mittelständischen Familie mit alter Familientradition auf und es war für ihn undenkbar, dass alles einmal anders kommen könnte.

1,5 Millionen jüdische Kinder wurden durch die Nationalsozialisten ermordet – Paul Kester hat überlebt und bezeichnet sich selbst als zu einer Minderheit zugehörig, die einfach Glück gehabt habe. Er empfindet es als seine Aufgabe anderen Menschen von seinen Erlebnissen zu erzählen – und so hat er uns von seinen Kindheits- und Jugenderinnerungen zur Zeit des Nationalsozialismus erzählt.

Paul Kester erinnert sich, dass zur Zeit seiner Kindheit in Wiesbaden viel Armut vorherrschte, Bettler das Straßenbild prägten, es oft politische Unruhen gab und vermehrt Schilder in den Straßen zu sehen waren, auf denen stand: „Die Juden sind unser Unglück.“ , „Die Juden sind schuld, dass wir den Krieg verloren haben.“ Und „Die Juden sind Verbrecher.“ Als Kind hat Paul Kester die Schilder nicht verstanden, denn in seiner Familie gab es ja keine Verbrecher…

1933, dem Jahr der Machtübernahme Hitlers, lebten in Wiesbaden über 3000 Menschen jüdischen Glaubens, bzw. jüdischer Herkunft. Sukzessive wurden in den folgenden Jahren den jüdischen Mitmenschen ihre Rechte entzogen. Paul Kester erinnert sich, dass zwei seiner Cousins nicht mehr studieren durften, arische Haushaltsangestellte nicht mehr in jüdischen Familien arbeiten durften und viele Familienmitglieder seiner Familie beschlossen hatten auszuwandern. Anfangs glaubte niemand, dass alles noch schlimmer werden würde.

Als guter Schüler wollte Paul Kester 1936 nach der Volksschule seine Ausbildung an einem Gymnasium fortsetzen. Nach verschiedenen Absagen an anderen Schulen in Wiesbaden, wurde er schließlich an der Gutenbergschule aufgenommen, die er von 1936 bis 1938 besuchte. An der GBS war auch sein Freund Leo Kahn, ebenfalls ein jüdischer Schüler, der mit ihm die gleiche Klasse besuchte. Leo Kahn war Paul Kesters bester Freund, den er heute noch vermisst.

Die Gutenbergschule beschreibt Herr Kester als gute und anspruchsvolle Schule.
Er und Leo Kahn wurden als jüdische Schüler an der GBS toleriert.
Paul Kester erinnert sich daran, dass im Unterricht „Rassenlehre“ durchgenommen wurde und die jüdischen Merkmale, „krumme Nase, große Ohren und miese Gesichtszüge“ dargestellt wurden, demgegenüber die arische Rasse mit blonden Haaren, eben wie „typische Norweger“ beschrieben wurde.
Paul Kester, zu dem Zeitpunkt 11 Jahre alt, hatte blonde Haare, eine gerade Nase und blaue Augen. Die Lehrer mussten zugeben, dass die beiden jüdischen Jungen nicht so wie in der Rassenlehre dargestellt, aussahen, meinten aber, dass es in der Theorie der „Rassenlehre“ so sei.

Paul Kestner erinnert sich weiterhin, dass seine Klassenkammeraden nach der Schule die Hitlerjugend besuchten und er in einen jüdischen Sportverein ging.

Auch Familie Kleinstraß beschäftigte sich zunehmend mit dem Gedanken auszuwandern. Es war aber schwierig in ein fremdes Land zu gehen, in dem man nicht erwünscht war, die Sprache nicht sprach und keine Arbeit hatte. 1938 wanderte Paul Kesters ältere Schwester im Alter von 14 Jahren zu Verwandten in die USA aus.

Ab dem Sommer 1938 verschärfte sich die Situation für jüdische Menschen und so auch für die Familie Kleinstraß. Am 10. November 1938 wurden Leo Kahn und Paul Kester vom Schulverwalter aufgefordert, wegen der Unruhen in der Stadt die Schule zu verlassen und nach Hause zu gehen. Die Synagoge am Michelsberg stand in Flammen. Vor dem Geschäft von Paul Kesters Vater hatte sich eine Menschenmenge gebildet, die die großen Schaufenster des Geschäfts zerstörte. Paul Kesters Vater wurde verhaftet, konnte fliehen und sich verstecken, bis er nach zwei Tagen wieder zur Familie zurückkehrte, von der Gestapo erneut abgeführt und ins KZ Dachau gebracht wurde.

Paul Kester und seine Mutter räumten das zerstörte Geschäft auf und Paul Kester und Leo Kahn gingen wieder zur Schule. Ab dem 15. November 1938 war es für jüdische Schülerinnen und Schüler nicht mehr möglich, staatliche oder kommunale Schulen zu besuchen.

Somit endete Paul Kesters Schulbesuch an der Gutenbergschule im November 1938.

Während einige Familienmitglieder der Familie Kleinstraß in das KZ Buchenwald oder KZ Sachsenhausen deportiert wurden und auch ein Cousin dort getötet wurde – offizielle Nachricht der Todesursache lautete „an Herzinfarkt gestorben“ -, kam Paul Kesters Vater aus dem KZ Dachau zurück und musste sich fortan wöchentlich bei der Gestapo melden. Als guter und trainierter Sportler hatte Paul Kesters Vater Dachau überstanden.

Weiterhin stellten sich auch die Kleinstraß die Frage, wie sie aus Deutschland herauskämen – solange sie keine Wertsachen mitnehmen würden, wäre es möglich gewesen das Land zu verlassen, allerdings war es nicht so leicht ein aufnehmendes Land zu finden.

Einige europäische Länder waren bereit jüdische Kinder aufzunehmen, so zum Beispiel England, die Niederlande oder Schweden.
Leo Kahn ging nach Amsterdam in die Niederlande zu Verwandten und wurde von dort aus später nach Ausschwitz deportiert, wo er getötet wurde.

Paul Kester gehörte zu den 500 jüdischen Kindern, die Schweden bereit war aufzunehmen. Er bekam ein Visum für Schweden und reiste am 15. Januar 1939 alleine mit dem Zug über Berlin nach Saßnitz und anschließend mit der Fähre nach Schweden. Bei seiner Ausreise wurden sein Geld und ein Buch beschlagnahmt. Als die deutsche Küste am Horizont verschwand, fühlte Paul Kester sich frei.

In Schweden angekommen, wurde Paul Kester von seinen Verwandten empfangen und besuchte dort die Schule bis er 16 Jahre alt war.

Den Kontakt zu seinen Eltern führte Paul Kester über Briefe. Die Post funktionierte gut. Mit Beginn des zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 wurde die Post zwischen Schweden und Deutschland kontrolliert und zensiert. Paul Kester erinnert sich, dass man aufpassen musste, was man schrieb und dass Bemerkungen über die Lebensverhältnisse in Deutschland zensiert wurden. Viele Jahre später, als er längst in den USA lebte, wollte er mit einer speziellen Methode herausfinden lassen, was in den zensierten Textpassagen der Briefe stand, die er allesamt aufgehoben hatte. Die zensierten Textpassagen waren chemisch eliminiert und ein Beispiel, so Paul Kester, für „deutsche Gründlichkeit“.

Im August 1942 schrieben Paul Kesters Eltern, dass sie Wiesbaden verlassen müssten – voraussichtlich nach Theresienstadt. Auch während der Inhaftierung in Theresienstadt, hatte Paul Kester Kontakt zu seinen Eltern. Die Post funktionierte weiterhin, denn „Ordnung muss sein“. Sechs Zeilen mit unbedeutendem Inhalt waren erlaubt.

Ein halbes Jahr später kam Paul Kesters Post, die an seine Eltern adressiert war, mit der Nachricht „abgereist“ wieder zurück. Erst später hat Paul Kester erfahren, dass seine Mutter und sein Vater von Theresienstadt nach Ausschwitz deportiert und dort direkt vergast wurden. Paul Kesters Großmutter ist in Theresienstadt verstorben – auch sie war für einen Transport nach Ausschwitz vorgesehen.

Paul Kester erlebte das Kriegsende im Mai 1945 mit gemischten Gefühlen. Er hatte viel verloren und zugleich die Möglichkeit, sein Leben wiederaufzubauen.

1946 fuhr Paul Kester erstmals in die USA, wo er seine Schwester und andere Verwandte wiedersehen konnte.

1947 reiste Paul Kester von Schweden mit einem Freund in die Niederlande. Auf ihrer Reise durchquerten sie mit dem Zug Norddeutschland mit Landschaften von endlosen Ruinen. Sie reisten auch nach Wiesbaden und er suchte die alte Wohnung seiner Familie auf. Alles war so, wie seine Familie es verlassen hatte. Die damalige Mieterin war nicht begeistert ihn zu sehen, gab ihm etwas Geld, aber letztendlich hatte Paul Kester kein Interesse an den Gegenständen – es waren die Menschen, die ihm fehlten.

1948 wanderte Paul Kester zusammen mit seiner Frau, die ursprünglich aus Berlin stammte, nach Los Angeles in die USA aus. Dort lebt Herr Kester bis heute.

Am Ende seiner Erzählung wandte Herr Kester sich mit den folgenden Wünschen an die zuhörenden Schülerinnen und Schüler:

  • –  Schätzt es, in einem freien Land in Demokratie zu leben!
  • –  Hasst keine anderen Menschen, auch wenn sie anders aussehen!
  • –  Zeigt, dass ihr tolerant seid!

 

Paul Kester bedankte sich, dass er bei uns an der Schule sprechen durfte und forderte die Schülerinnen und Schüler auf, Fragen zu stellen.

Auf die Frage …

…. nach seinen Gefühlen bei seiner Auswanderung nach Schweden antwortete Herr Kester, dass er einerseits traurig war, nicht mit seiner Familie auswandern zu können, aber andererseits auch froh war nach Schweden zu können. Insgesamt konnte er sich gut auf die neue Situation in Schweden einlassen und hatte sich schnell eingewöhnt.

… ob er als Jude heute Schwierigkeiten habe, antwortete Herr Kester, dass er in den USA keine Probleme habe, es als Kind für ihn in Deutschland aber schwer gewesen sei. In den USA ist er aktiv in vielen jüdischen Organisationen und erzählt auch an amerikanischen Schulen von seinen Erlebnissen.

… ob er nicht manchmal Hass gegenüber den Deutschen empfindet, antwortete Herr Kester, dass er die Nazis nur hassen konnte, da sie schließlich seine Familie und Freunde getötet hatten. Er aber nicht alle Deutschen gehasst hat. Auf seiner ersten Reise in Deutschland nach dem Zeiten Weltkrieg hat er sich sehr fremd gefühlt, weil er nie wusste, was die Menschen, denen er begegnete, getan hatten. Herr Kester betonte, dass die jungen Deutschen nicht schuldig seien für das, was ihre Großeltern getan hätten, sie seien es aber schuldig, ihre Geschichte zu kennen und dem Grundgesetz zu folgen: „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“

… ob es ihm schwerfalle, seine eigene Geschichte zu erzählen, antwortete Herr Kester, mit nein. Er meinte, er empfinde es als seine Verpflichtung, seine Geschichte zu erzählen.

… ob er Wiesbaden als sein zu Hause betrachten würde, antwortete Herr Kester, dass Wiesbaden seit 1939 nicht mehr sein zu Hause sei. Während er bei seinem ersten Besuch nach dem Krieg Wiesbaden als tote Stadt wahrgenommen hat, empfindet er sie heute als eine lebendige Stadt, in der er gerne seine Geschichte erzählt.

… welchen Sport er ausübt, antwortete Herr Kester, dass er in seiner Jugend geturnt habe, geschwommen ist und Leichtathletik gemacht habe. Auch heute macht er noch regelmäßig Gymnastik, fährt auf seinen Heimtrainern Fahrrad und macht Jogging. Bis zu seinem 80sten Lebensjahr ist er noch Ski gefahren – dies hat er dann aus Gründen der Vernunft aufgehört.

… wo er die Unterschiede zwischen der Gutenbergschule früher und heute sieht, antwortete Herr Kester, dass ein großer Unterschied sei, dass jetzt auch Mädels auf der Schule sind und dies findet er bedeutend angenehmer. Außerdem sei es viel freier an der Schule und es gäbe keinen „Kadavergehorsam“ mehr.

Abschließend sagte Herr Paul Kester, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Freiheit genießen sollen und sich ihrer bewusst sein sollen.

Wir danken Herrn Kester ganz herzlich, dass er sich für uns Zeit genommen hat und uns sehr offen und sehr beeindruckend bei hohen sommerlichen Temperaturen zwei Schulstunden lebendig von seinen Erlebnissen als verfolgtes jüdisches Kind erzählt hat.

Ebenso möchten wir Frau Inge Neumann, ehemalige Lehrerin der GBS und Mitarbeiterin des Museums Spiegelgasse danken, dass sie den Kontakt zu Herrn Kester hergestellt hat und wir somit die Gelegenheit hatten, Herrn Kester zuhören zu können.

Wir waren alle sehr gerührt von der Begegnung mit Herrn Kester.

(Autorin: B. Boczki)

Anmeldung zur Sprachreise nach Poole 2020

Wie auf der Informationsveranstaltung vom 16. Oktober 2019 angekündigt, können das Anmeldeformular sowie die Konditionen der Fahrt nun heruntergeladen werden. Zusätzlich stelle ich die Einverständniserklärung der Sprachschule (Parental Consent Form) online, die bitte ausgefüllt zusammen mit dem Anmeldeformular abgegeben werden soll.

Anmelden können sich Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 und der E-Phase. Die Anmeldung soll persönlich bei mir abgegeben werden und zwar bis spätestens Freitag, den 01. November 2019.
(Ich bin vor dem Unterricht und in den Pausen im Lehrerzimmer erreichbar. Falls doch einmal nicht, bitte in mein Fach legen lassen, dieses wird regelmäßig von mir kontrolliert.)

Schülerinnen und Schüler der E-Phase, die sich zurzeit im Praktikum befinden, können mir das Anmeldeformular auch als Scan per E-Mail schicken: andreas.bockholt@msedu.gutenberg-gym.de

Es ist wichtig, dass die Anmeldung gut lesbar und vollständig ausgefüllt wird.
Die weiteren Informationen werden den Teilnehmern dann per Mail zugehen an die Mail-Adresse, die auf dem Anmeldeformular angegeben wird.

Weitere Informationen zur Sprachschule finden Sie unter www.eagleschool.co.uk

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Bockholt
(Koordination Sprachreise)

Anmeldeformular-Poole_2020 INFORMATIONSBLATT_Poole2020 Parental Consent Form

Austauschwoche 8 mit vielen Facetten

In der Woche vor den Herbstferien durften die Teilnehmer des Klassenaustauschs 8 wieder ihre Partner aus Montreux (Schweiz) und Gemmenich (Belgien) in Wiesbaden empfangen. Bei einem bunten Programm lernten sich die Partner kennen. Nach Kennenlernspielen und einer anspruchsvollen Stadtrallye am Montag gingen die insgesamt 7 Gruppen (4 Montreux, 3 Gemmenich) auf Entdeckungstouren in Mainz, Frankfurt oder Rüdesheim. Das Programm war vielfältig: von Minigolf und Schloss Freudenberg über Zoobesuch, künstlerische und historische Museumworkshops (Museum Wiesbaden und Anne Frank Begegnungsstätte) bis hin zur Rheintour in und um Rüdesheim, es war (hoffentlich) für jeden etwas dabei.

Die Stimmung war gut und das zeigte sich auch bei der gelungenen Abschlussparty in der Schule. Ein überwältigendes Büffet stärkte die Tänzer, die in der Aula ausgelassen feierten. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Andreas Meier und seine Dj’s Sophie, Adrian, Johannes und Niklas aus der E-Phase!

Dank für Ihr Engagement geht vor allem an die Kollegen, die die Gruppen betreut haben (Frau Herberg, Frau Kugler, Frau Dr. Leinen, Frau Riedel, Herr Grzimek, Herr Nebeling, Herr Ott).

 

Wir freuen uns auf einen spannenden Rückbesuch im März!